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GMP Aktuell

GMP-AIM Qualifizierung/Validierung Kommentar

Das neue Aide mémoire (AIM) "Inspektion von Qualifizierung und Validierung in pharmazeutischer Herstellung und Qualitätskontrolle" wurde ja schon länger erwartet. Welche Änderungen und Konsequenzen ergeben sich nun konkret für die GMP Anforderungen in der Pharma- und Wirkstoffindustrie?

 

Kommentar zum neuen Aide mémoire:

Wichtig ist es zu betonen, dass es sich um keine Richtlinie für die Industrie handelt, sondern ein internes Dokument für Inspektoren darstellt. Es besteht also keine bindende Wirkung!

Auswirkungen auf die Industrie

Natürlich werden wir in den nächsten Wochen alle Reaktionen von "völlig überzogen" bis "gar nichts Neues" lesen und hören. Wie immer hängt es aber stark vom Stellenwert der Qualitätssicherung bzw. GMP im Pharma- oder Wirkstoffbetrieb ab. Wenn man ernsthaft Qualitätsmanagement betreibt, so bringt das neue AIM wenig Neues. Will man nur Anforderungen erfüllen, so wird man viele Hausaufgaben erledigen müssen.

Zusammenfassend dürften die GMP Auswirkung dieser neuen Version des AIM auf die Pharmaindustrie eher gering sein. Vieles von dem, was als Änderungen oder Ergänzungen eingeflossen ist, wird in der Mehrzahl der Betriebe bereits als Good Manufacturing Practices realisiert sein. An manchen Stellen stellt sich dem Leser aber die Frage, warum z.B. gerade Reinigungsverfahren jetzt so detailliert beschrieben wurden. Da es aber ein Dokument für Inspektoren ist, ist es vielleicht eher als unterstützende Erläuterungen für diese gedacht. Das bedeutet aber, dass solche Themen in Inspektionen auch intensiver hinterfragt werden könnten.

Inspektionen werden vermutlich am stärksten von diesem Dokumente beeinflusst werden. So werden wohl folgende Themen bei Inspektionen an Bedeutung gewinnen:

  • Qualifizierung und Kalibrierung von Messeinrichtungen aller Art
  • Routinemonitoring und kontinuierliche Prozessüberwachung, PAT
  • Requalifizierung
  • Festlegung der Anzahl der Prozessvalidierungschargen
  • Kontinuierliche Validierung
  • Statistische Prozesskontrolle (SPC)
  • Einsatz von Regelkarten
  • Reinigungsverfahren und Riboflavinbestimmung
  • Spezifische versus unspezifische Bestimmungverfahren
  • Musterzug
  • Hygienic Design
  • Transfer von Prozessen und Methoden

Das ist eine lange Liste werden nun Viele denken, viel Stoff mit vielen möglichen unangenehmen Fragen.

Warum hat man die Themen jetzt integriert?

  • Bei den  Behörden liegen zu diesen Themen wenig Erfahrungen (im Sinne der Hilfestellung für Inspektoren) vor.
  • Es wurden schlechte Erfahrungen bei Inspektionen gemacht.
  • Es sollen Weiterentwicklungen im Bereich Qualitätsmanagement angestoßen werden.

Wenn man beispielsweise den Transfer von Prozessen und Methoden betrachtet, dann werden in der zunehmend arbeitsteiligen Welt Transfers immer häufiger und damit zu einem kritischen Element im Sinne der Qualitätssicherung. So sollten Unternehmen, die häufig Transfers durchführen schon lange entsprechende Prozesse etabliert haben. Auch spezfische und unspezifische Bestimmungverfahren finden schon lange Anwendung und sind Stand der Technik.

Hingegen sind Regelkarten und SPC, aber auch PAT, nur in wenigen Betrieben anzutreffen. Hier will man offensichtlich, dass sich die Industrie mit dem Thema beschäftigt. Wie seinerzeit bei der ersten Version des AIM durch die umfangreiche Beschreibung der Risikoanalyse. Das gab seinerzeit einen deutlichen Schub für die Einführung von Risikoanalysetools. Es ist zu vermuten, dass viele in 5 Jahren Regelkarten führen, auswerten und ggf. ihre Prozesse auf diese Weise steuern werden. Auch die FDA hat ihre Vorstellungen in diesen Dingen (PAT, SPC, SixSigma, usw.) in den letzten Jahren immer stärker formuliert.

Auswirkung auf Lieferanten

Lieferaten, die sich im GMP kritischen Umfeld bewegen, werden immer mehr in die Prozesse eingebunden. Ein integriertes Qualitätsmanagementsystem wird für diese unabdingbar werden. Bei vielen Unternehmen, die GMP kritische Maschinen, Waren und Dienstleistungen für die Pharmaindustrie liefern und erbringen, gibt es schon heute Nachholbedarf und nach dieser Neufassung wird dieser dringlicher. Hier seien inbesondere die Maschinengestaltung bzw. Hygienic Design und die GMP-konformen Dokumentationen angesprochen.

Wo kann man Details nachlesen?

Etwas wirklich bahnbrechendes steht im neuen Aide mémoire nicht drin. Die Verfahren sind schon vielfach etabliert und auch in der Literatur beschrieben. Es muss also nichts neu erfunden werden. Im GMP-BERATER und GMP MANUAL ist der Stand der Technik beschrieben und es ist für viele sicherlich interessant, dass der GMP-Verlag vor kurzem ein Praxisbuch "GMP-Anlagenqualifizierung in der Pharmaindustrie" veröffentlicht hat, an dem die Leiterin der Expertenfachgruppe 10 Frau Dr. Petra Rempe mitgewirkt hat. Diese Expertenfachgruppe hat auch das neue Aide mémoire herausgegeben.

Was muss ich nun in meiner Firma unternehmen?

1. Lesen sie das Aide mémoire in aller Ruhe durch und überlegen Sie, ob das alles schon bei Ihnen Realität ist.

2. Prüfen Sie, ob Sie Verfahren anpassen müssen und planen Sie das für 2010/2011 in Ihr Qualitätsprogramm ein

3. Wenn die nötige Expertise in Ihrem Haus nicht vorhanden ist, holen Sie sich externe Hilfe speziell für Ihre Fragestellungen.

4. Arbeiten Sie die Projekte ab und integrieren Sie die Abläufe in das tägliche Business.

5. Kontrollieren Sie die Umsetzung

Zusammenfassung

Es ist gut, dass das Aide mémoire überarbeitet wurde. Die darin beschriebenen Anforderungen stimmen weitgehend mit den derzeit praktizierten Good Manfacturing Practices (GMP) überein. Im Bereich der Statistischen Prozesskontrolle (SPC) und Regelkarten wird aufgezeigt, was man in der Zukunft erwartet. Bestimmte Themen werden stärker erläutert und werden daher im Inspektionsalltag häufiger angesprochen werden. Handlungsbedarf entsteht für jedes einzelne Unternehmen erst durch eine detaillierte Soll-Ist-Analyse.

Ein Wort zum Schluss ;-)

Ist es nicht bemerkenswert, dass man von der Industrie erwartet, dass diese alle 2-3 Jahre ihre internen Richtlinien überarbeitet, die ZLG aber fast 6 Jahre benötigt, um das AIM Qualifizierung/Validierung zu überarbeiten? Es war notwendig die Verweise auf die PharmaBetrV zu entfernen und die AMWHV zu zitieren, die 2006 in Kraft getreten ist. Und in den letzten Jahren hat sich in der Industrie vieles etabliert, was auch in diese Version Einzug gefunden hat (Kontinuierliche Überwachung von Prozessen, Requalifizierung, PAT, Reinigung, etc). Leider hat man aber noch nicht berücksichtigt, dass die EMEA inzwischen EMA heißt.

Schopfheim, 13. Mai 2010
Thomas Peither

Link zum Originaldokument: Aide_mémoire_Qualifizierung_Validierung.pdf

Kommentare
Ich finde auch Bemerkenswert, dass bis heute nicht klar genug herauskommt, ob die Wirkstoffhersteller davon betroffen sind. Zumindest für die Wirkstoffe menschlicher Herkunft in AMWHV Abs. 3 und für die Wirkstoffe unter Herstellungserlaubnispflicht AMWHV Abs. 4 sollte herausgearbeitet werden, ob die in der ZLG Aide memories (AIM) Qualifizierung und Validierung definierten anforderungen gelten sollen oder ob nur der EG-GMP-Leitfaden Part II für alle Wirkstoffhersteller einzuhalten ist. Hätte bestimmt zu mehr Klarheit in Bezug auf Inspektionen von API-Herstellern geführt
Matthias Bohm matthias.bohm@bayerhealthcare.com 14.05.2010
 
Qualifizierung und Validierung sind grundlegende Faktoren für die Arzneimittelsicherheit. Das im AiM dargestellte grundlegende Vorgehen und Anforderungen für pharmazeutische Produkte kann daher für alle Produkte zugrunde gelegt werden - ein entpsrechender Bezug auf den Abschnitt 4 der AMWHV ist im Vorwort aufgeführt. Die EFG 10 war sich bei der Erarbeitung dieses AiMs bewusst, dass sich die Gesamtheit aller z. T. sehr heterogene Anforderungen für pharmazeutische Produkte nicht in diesem AiM darstellen lassen. Daher wurde im Vorwort explizit darauf hingewiesen, dass die Anforderungen \\\"grundsätzlich auf die Herstellung und Qualitätskontrolle aller pharmazeutischen Darreichungsformen angewandt werden. Spezifische Aspekte der Herstellung von sterilen Darreichungsformen, biotechnologischen Produkten oder Wirkstoffen sowie der Validierung von Lagerungs- und Transportverfahren und von computergestützten Systemen werden jedoch nicht im Detail behandelt .\\\"
Petra Rempe petra.rempe@brms.nrw.de 27.05.2010