LOGFILE Leitartikel 45/2019 – PDA/FDA Joint Regulatory Conference 2019

 03.12.2019

PDA/FDA Joint Regulatory Conference 2019

6 Min. Lesezeit

von Thomas Peither

Die PDA/FDA Joint Regulatory Conference im September in Washington, DC, war auch in diesem Jahr wieder ein wichtiger Treffpunkt der Pharmabranche. Die Themen reichten von Updates der Behörden, über Qualitätsaspekte, Compliance-Herausforderungen, neue Technologien für die Herstellung, Labor und Qualitätssicherung hin zu Kontrollstrategien, Anlagenlebenszyklen, Inspektionsstrategien und Effektivität von Audits. Es war ein breit gespannter Bogen über verschiedenste Qualitätsaspekte der Arzneimittelhersteller.

Für diesen Beitrag verfolgten wir insbesondere die Vorträge von Dr. Patricia Cavazzoni und Dr. Jackie Elbonne am 16. September 2019 mit großem Interesse.

„The executive management is the most single aspect to reach a quality culture!“

Dr. Patricia Cavazzoni betonte als U.S. FDA-Vertreterin die Bedeutung der Qualitätssysteme und von Qualitätsaspekten. Arzneimittelinnovationen müssen mit Investitionen in Qualitätssysteme einhergehen, so ihr Credo. Sie unterstrich die Aufgabe der FDA, die seit dem FD&C Act Amendment von 1962 ungebrochen gilt: „Die CDER stellt sicher, dass sichere und wirksame Medikamente für Patienten zur Verfügung stehen.“

Die Qualitätskultur wird aus ihrer Sicht in vielen Unternehmen noch immer stiefmütterlich behandelt. „Die Geschäftsleitung ist der wichtigste Faktor, um eine Qualitätskultur zu erreichen“, so Cavazzoni. Insbesondere spielt das tägliche Verhalten der Manager eine entscheidende Rolle für eine starke Qualitätskultur. Eine starke Qualitätssicherung endet auch nicht an den Pforten zur Firmenzentrale, sondern ist auch dort mit einer starken Stimme vertreten. Hier bezog sie sich auf die globale Supply Chain, die in der Regel dort gesteuert wird. „Wenn ein Lieferant nicht die gleiche Qualitätskulturphilosophie verfolgt, wird er ein schwaches Element in der Lieferkette sein.“ Gerade in der Umsetzung einer konsistenten Qualitätskultur sieht die FDA ein großes Potential für Weiterentwicklung.
„Eine solide Qualität beginnt und endet mit der Schulung von Menschen“. Mit dieser Aussage meinte Cavazzoni sicherlich alle Mitarbeiter vom Topmanagement bis zur Herstellungslinie.

Wesentlich für die Weiterentwicklung der Qualität sei auch ein leistungsbasiertes Qualitätsmanagentsystem. „Die Pharmaindustrie ist weit hinter dem Prozessverständnis anderer Industrien zurück, wie Halbleiter- und Automobilindustrie“, merkte Cavozzi kritisch an.

Sie ging aber auch darauf ein, dass auch die FDA sich weiterentwickeln muss und wichtige Aufgaben verfolgt. Sie ging z. B. Auf die FDA Initiative NIPP (New Inspection Protocol Project) ein, die sich zunächst auf sterile Herstellungsstätten bezieht. „Es besteht ein zunehmender Bedarf an einer effizienteren Erfassung und Analyse der Informationen, die wir während der Inspektionen sammeln. Damit können wir einen noch besseren und zeitnäheren Einblick in den Qualitätszustand der Produktionsanlagen für Arzneimittel erhalten und die Relevanz dieser Informationen für unsere regulatorischen Entscheidungen erhöhen", sagte FDA Commissioner Dr. Scott Gottlieb in der Pressemitteilung der FDA im November 2018, als er die Initiative ankündigte. Das Projekt basiert auf Erfahrungen mit Vorläuferprojekten seit 2014.

Cavazzoni informierte auf Rückfragen aus dem Auditorium, dass das das Protokoll, auf dem NIPP basiert, noch nicht öffentlich zugänglich sei. Die Fragesteller aus der Industrie merkten an, dass es für die Industrie sehr hilfreich wäre, Zugang zu den Inhalten des Programms zu bekommen. Cavazzoni betonte, dass mit NIPP ein systematischer Ansatz umgesetzt werde, der auch den Inspektoren zunächst intensiv vermittelt werde.

„It is a never-ending journey!“

In der zweiten Plenary Session sprach Dr. Jackie Elbonne, Chief Quality Officer and Senior Vice President, Global Quality bei Bristol-Myers Squibb (BMS). Sie sprach über den Lifecycle Approach to Quality Excellence. Zunächst schilderte sie die Herausforderungen ihrer Firma mit weltweit 14 Produktionsstandorten, 70 Zielländern und mehr als 100 Partnern bei 47 Produkten.

In der Visualisierung zur Qualitätsvision – GxP-Lebenszyklus-Ansatz – zeigte sie die Zielrichtung für das Unternehmen und der Mitarbeiter*innen auf. Bereits seit zwei Jahren befindet sich BMS auf diesem Weg – und es ist kein Ende abzusehen: „Es ist eine nie endende Reise!“

Elbonne betonte besonders die Klärung des Prozess-Besitzes (process ownership). Man müsse die Prozess-Besitz-Struktur klar definieren, kommunizieren und mit Leben füllen.

Sie zeigte dies dem interessierten Publikum anhand von drei Fallstudien. In der ersten Fallstudie stellte sie einen verbesserten Ansatz zum Prozessmonitoring vor. Dieser führte im Ergebnis zu einer signifikanten Reduktion von Variabilitäten und einer höheren Robustheit der Prozesse. Dazu identifizierte BMS im Prozessmonitoring die Verbesserungsfelder frühzeitig und traf zügig Entscheidungen über Verbesserungsmaßnahmen.

Die Abbildung zeigt die Verbesserungen sehr deutlich.

In der zweiten Fallstudie zeigte sie den positiven Zusammenhang zwischen einer verbesserten Produktqualität und der Verlässlichkeit der Versorgungssicherheit und schnelleren Versorgung von Patienten. Wichtige Schlagworte waren:

  • Robustheit
  • Ursachenanalyse (root cause analysis)
  • Prozessverständnis
  • Prozesssteuerung
  • Untersuchungen (investigations)
  • Prüfungskommission (Review Board)

Die Anstrengungen wurden belohnt mit:

  • Reduzierten Zykluszeiten
  • Niedrigeren Zykluskosten und
  • Weniger Untersuchungen

Somit wurden Tätigkeiten sowohl in der Administration als auch an der Linie reduziert – ein großer Erfolg für alle Beteiligten.

Die dritte Fallstudie betrachtete den Neubau einer Fertigungsstätte in Cruiserath, Irland mit einem Investment von ca. 1 Mrd. USD. Hier wurde eine Fertigungsstätte nach neuesten Erkenntnissen gebaut – eine State-of-the-art-Facility für biologische Arzneimittel. Hier wurden konsequent QbD-Konzepte angewendet, um bestmögliche Prozesse von Anfang an zu implementieren.

Auch Elbonne betonte in ihrem Vortrag die Bedeutung der Qualitätskultur und damit das Commitment zu einer Kultur der Qualitätsexzellenz. „Der Aufbau einer Kultur der Spitzenqualität ist ein langfristiges organisatorisches Engagement, das auf der Grundlage von Fähigkeiten, Tools und Wissensmanagement basiert.”

„It starts to be meaningful for excecutive levels!“

In der nachfolgenden Diskussion betonte Elbonne, dass es wichtig sei, die Kosten für Qualität bzw. Nicht-Qualität zu definieren. Diese Kosten würden oft zu einem Umdenken in den Führungsetagen führen – denn Qualität kann somit besser im unternehmerischen Kontext bewertet werden.

Autor

Thomas Peither
Maas & Peither AG – GMP-Verlag, Schopfheim
E-Mail: thomas.peither@gmp-verlag.de

Quellen:

Cavazzoni, Patricia, PhD; PDA/FDA Joint Regulatory Conference; September 16, 2019; Washington, DC
Elbonne, Jackie, PhD; PDA/FDA Joint Regulatory Conference; September 16, 2019; Washington, DC


Kommentare

Hallo Herr Peither, vielen Dank für diesen tollen Artikel. Wie immer sind klassische Aspekte dabei, die nie adacta gelegt werden ;-)
Mandy Friedrich 12.12.2019

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