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GMP LOGFILE: Leitartikel

13.11.2018

LOGFILE Nr. 43/2018 – Wer darf den Probenzug durchführen?

Wer darf den Probenzug durchführen?

Ihre Frage - unsere Antwort

5 Min. Lesezeit

von Dr. Doris Borchert

 

Regelmäßig erreichen die Redaktion des GMP-Verlags interessante Fragen unserer Leser zu GMP-Regularien und deren praktischer Umsetzung.
Im heutigen Leitartikel beantworten wir eine Frage zur praktischen Durchführung des Probenzugs von Arzneimitteln und Wirkstoffen. Wer darf das machen? Die Probenahme betrifft alle Bereiche der pharmazeutischen Herstellung und ist eine wichtige Grundlage für Qualitätsentscheidungen.

Ihre Frage

Muss der Probenzug von Arzneimitteln und Wirkstoffen durch Mitarbeiter der Qualitätskontrolle (QK) durchgeführt werden, oder dürfen auch Produktionsmitarbeiter Proben ziehen?

Unsere Antwort

Arzneimittel

Die Anforderungen an die Probenahme werden in den GMP-Regularien eingehend beschrieben:

  • EU-GMP-Leitfaden Teil I, Kapitel 6.11 bis 6.14 (GMP-BERATER Kapitel H.4.6)
  • EU-GMP-Leitfaden, Anhang 8 „Probenahme von Ausgangsstoffen und Verpackungsmaterial“ (GMP-BERATER Kapitel H.6.8
  • 21 CFR 211, insbesondere Subpart I (GMP-BERATER Kapitel I.1.2)

In den genannten Regularien ist allerdings keine konkrete Aussage dazu zu finden, ob die Probenzieher aus der QK stammen sollen oder gar müssen. Es wird lediglich darauf verwiesen, dass das Personal eine entsprechende Grundausbildung und fortlaufende Schulung braucht, sprich: Das Personal muss qualifiziert sein. Dies ließe sich z. B. überprüfen anhand der Schulungsunterlagen.

Die Vorschriften für die Probenahme und den Musterzug sollten allerdings von der QK geprüft sein.

Hierzu schreibt der 21 CFR 211 in § 160:

(a) Die Erstellung von Spezifikationen, Standards, Bemusterungsplänen, Prüfvorschriften oder anderen Arten von Laborkontrollen einschließlich aller Änderungen […], die nach diesem Teil gefordert werden, soll von der zuständigen Organisationseinheit durchgeführt und von der Qualitätskontrolleinheit überprüft und gebilligt werden.

Wirkstoffe

Für den Probenzug von Wirkstoffen ist der Teil II des EU-GMP-Leitfadens relevant, insbesondere die Kapitel 7.3, 8.3 und 11.7 (GMP-BERATER Kapitel H.5.7, Kapitel H.5.8 und Kapitel H.5.11). Auch diese Kapitel enthalten jedoch keine konkreten Angaben zu den durchführenden Personen.

Im Frage-und-Antwort-Papier zur ICH Q7 Leitlinie: Gute Herstellungspraxis für Wirkstoffe findet man jedoch unter 2.4 nähere Erläuterungen zu den durchführenden Personen und zur Verantwortung der QK (GMP-BERATER Kapitel J.7.1).

Frage
Wird in ICH Q7 erwartet, dass die Qualitäts(sicherungs)einheit Proben nimmt?

Antwort
Nein. In ICH Q7 wird nicht im Einzelnen vorgeschrieben, wer die Probenahme durchführen soll [ICH Q7, Abschnitt 2.22]. Jedoch ist die Qualitäts(sicherungs)einheit für die Überprüfung und Genehmigung von Probenahmeplänen [ICH Q7, Abschnitt 11.12] sowie für die Verfahren verantwortlich. Die Probenahme sollte durch ausreichend geschulte Mitarbeiter erfolgen [ICH Q7, Abschnitt 3.10] und angemessen dokumentiert werden [ICH Q7, Abschnitt 6.52].

Antwort einer GMP-Inspektorin

Arzneimittel

Die Prüfung der Arzneimittel muss unter der Verantwortung der QK stattfinden (§ 14 AMWHV). Der Leiter der QK muss die Spezifikation und die Anweisung zur Probennahme genehmigen (§ 12 Abs. 1 AMWHV resp. EU-GMP-Leitfaden Teil I, Kapitel 2.8 iii (GMP-BERATER Kapitel H.4.2). Die Vorschriften zur Probenahme gehören zur Spezifikation von Ausgangsstoffen resp. Fertigprodukten (EU-GMP-Leitfaden Teil I, Kapitel 4.14 und 4.16 (GMP-BERATER Kapitel H.4.4).

In der Einführung zu Kapitel 6 EU-GMP-Leitfaden Teil I wird ausgeführt, dass die QK die Probennahme umfasst und es wird auf die grundlegende Bedeutung der Unabhängigkeit der QK von der Herstellung hingewiesen.

Die Anforderungen an die Probennahme sind unter 6.11 ff beschrieben. Zudem wird in 6.4 gefordert, dass das Personal der QK Zugang zu den Produktionsräumen haben soll, um Proben zu ziehen. (Laut Glossar umfasst der Begriff „Produktion“ alle Arbeitsgänge, die mit der Anfertigung eines Arzneimittels verbunden sind - vom Materialeingang bis zur Fertigstellung des Fertigproduktes.)

Grundsätzlich hat die QK den Probenzug durchzuführen. Verfahrensbedingt erfolgt in der Praxis der Probenzug oftmals durch die Produktionsmitarbeiter, das betrifft insbesondere die Rückstellmuster bei der Verpackung. Die Vorschriften dafür müssen aber von der QK definiert werden.

Fazit

In den Regularien wird nicht vorgeschrieben, wer die Probenahme durchführen darf oder soll. Allerdings wird klar definiert, dass die Verantwortung für die Probenahme und die Musterzugspläne bei der Qualitätskontrolle bzw. Qualitätseinheit liegt. Außerdem müssen die Mitarbeiter entsprechend geschult und qualifiziert sein.

In der Praxis ist es demnach möglich, dass ein entsprechend geschulter Produktionsmitarbeiter den Musterzug durchführt, wobei ein von der Qualitätskontrolle genehmigtes Verfahren zugrunde gelegt sein muss.

Autorin:

Dr. Doris Borchert
Redaktion
Maas & Peither AG – GMP-Verlag
E-Mail: doris.borchert@gmp-verlag.de

LOGFILE-43-Frage-Musterzug.pdf

Kommentare
Während meiner Consultingtätigkeit habe ich zu diesem Punkt meinen Kunden immer vorgeschlagen, dass von der QC an Mitarbeiter z.B. der Produktion eine schriftliche Delegation der Mustreziehaktivitäten vorliegen sollte. Schulung und Probenahmeprocedere liegt in der Verantwortung der QC. Die Delegation sollte namentlich erfolgen und nicht generell an eine Abteilung.
Herbert Syrowatka 13.11.2018
 
 
 
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