FDA-Findings: Sichere aseptische Herstellung beginnt beim Anlagendesign
Bericht von der PDA/FDA Joint Regulatory Conference 2026
4 Min. Lesezeit | von Dr. Sabine Paris
Erschienen im LOGFILE 21/2021
Auf der PDA/FDA Joint Regulatory Conference 2026 machte die FDA deutlich: Moderne Anlagentechnik allein gewährleistet keine Sterilitätssicherheit. Der Beitrag beleuchtet GMP-Mängel bei FDA-Inspektionen und die Rolle der Anlagenplanung bei der aseptischen Herstellung.
Moderne Barrieresysteme und Automatisierung können Kontaminationsrisiken in der aseptischen Verarbeitung erheblich reduzieren. Sie bieten jedoch nur dann wirksamen Schutz, wenn Anlagendesign, Wartung und aseptisches Verhalten richtig aufeinander abgestimmt sind. Jason Chancey, Consumer Safety Officer in the Office of Manufacturing Quality at the FDA Center for Drug Evaluation and Research (CDER), veranschaulichte diesen Punkt anhand aktueller Inspektionsbeobachtungen.
Zu den von der FDA beobachteten Beispielen gehörten Klebeband und schwer zu reinigende Schaumstoffmanschetten innerhalb von Barrieresystemen, eine mit Klebeband reparierte Isolator-Türdichtung, nicht funktionsfähige Differenzdruckmesser sowie falsch positionierte oder verfärbte Silikonfaltenbälge. Diese Befunde in kritischen Bereichen zeigen, dass Anlagen, die ursprünglich für einen angemessenen Schutz konzipiert wurden, ihre Wirksamkeit verlieren können, wenn Beschädigungen, ungeeignete Reparaturen oder Wartungsmängel nicht zeitnah erkannt und behoben werden.
Abbildung 1 | Klebeband und Schaumstoffmanschetten im Inneren eines Isolators (Quelle: Jason Chancey, CDER, PDA/FDA Joint Regulatory Conference 2026)
Auch das Design von Anlagen und Abfülllinien kann das Verhalten des Bedienpersonals beeinflussen. Jason Chancey stellte ein Beispiel vor, bei dem der erschwerte Zugang zu einer Eingriffsstelle das Bedienpersonal dazu veranlasste, risikoreiche manuelle Eingriffe über teilweise verschlossenen Vials durchzuführen. Das Problem lag nicht allein im Verhalten des Personals: Die Position der Abfülllinie zu nahe an der Wand erschwerte die Nutzung des vorgesehenen Zugangswegs. Personal- und Materialflüsse sowie der Zugang zu vorhersehbaren Eingriffsstellen sollten daher bereits vor der Installation der Anlagen berücksichtigt werden. Nachgerüstete „Minitüren“ in Barrieresystemen können einen Eingriff zwar erleichtern, beseitigen jedoch nicht das damit verbundene Kontaminationsrisiko.

Abbildung 2 | Manueller Eingriff mit hohem Risiko (Quelle: Jason Chancey, CDER, PDA/FDA Joint Regulatory Conference 2026)
Vorsicht ist auch bei der Nutzung modularer oder „Drop-in“-Reinräume geboten. Solche Systeme sind nicht grundsätzlich ungeeignet, doch ihre Eignung hängt von ihrer Konstruktion, dem Luftstrom, den Oberflächen und dem Wartungszustand ab. Beschädigte Deckenplatten, eine unzureichende HEPA-Abdeckung oder ein Luftstrom, der vom Bediener zurück in den kritischen Bereich geleitet wird, können die Reinraumleistung beeinträchtigen.
Häufige Schwachstellen bei Luftströmungsvisualisierungen
Zu den von der FDA festgestellten Mängeln gehören:
- Tracermedien mit ungeeigneten Eigenschaften hinsichtlich Auftrieb, Dichte oder Verteilung,
- eine zu hohe Geschwindigkeit des Tracermediums,
- Tracermedien, die nicht in der Nähe des zu bewertenden Eingriffs positioniert sind,
- Anlagenkonfigurationen oder Eingriffe, die nicht den Bedingungen der kommerziellen Herstellung entsprechen, sowie
- Luftströmungsstörungen, Wirbel oder Kurzschlussströmungen, die nicht erkannt und bewertet werden.
Luftströmungsvisualisierungen sollten die tatsächlichen Betriebsbedingungen widerspiegeln und realistische Eingriffe berücksichtigen. Jede sichtbare Unregelmäßigkeit in der Luftströmung sollte zur Kenntnis genommen und bewertet werden, auch wenn sie nicht unbedingt ein kritisches Risiko darstellt.
Jason Chancey warnte zudem davor, positive Ergebnisse biologischer Indikatoren nach der Dekontamination oder Sterilisation vorschnell auf „vermeintlich fehlerhafte Indikatoren“ zurückzuführen. Solche Ergebnisse erfordern eine umfassende Untersuchung, an der möglicherweise Material-, Geräte- und Dienstleistungslieferanten beteiligt sind. Einen Test so lange zu wiederholen, bis ein akzeptables Ergebnis vorliegt, ersetzt weder eine Ursachenanalyse noch eine wissenschaftliche Bewertung.
Fazit
Die zentrale Botschaft lautete, dass moderne Anlagentechnik allein keine Sterilitätssicherheit gewährleistet. Barrieresysteme müssen angemessen ausgelegt, kontinuierlich überwacht und ordnungsgemäß instand gehalten werden. Gleichzeitig müssen Eingriffe, Luftströmungsmuster und menschliches Verhalten bereits in den frühesten Phasen der Anlagen- und Linienplanung realistisch berücksichtigt werden.
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