UBA: Ersetzbarkeit von Ewigkeitschemikalien (PFAS) auf dem Prüfstand
Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zur Ersetzbarkeit von PFAS-Wirkstoffen kommt zu dem Ergebnis, dass für 87 % der untersuchten humanmedizinischen PFAS-Wirkstoffe bereits PFAS-freie Alternativen existierten.
Was zunächst nach einer guten Neuigkeit klingt, erscheint bei genauerer Betrachtung jedoch realitätsfern. Pharma Deutschland kritisiert in einer Pressemitteilung vom 17.08.2026, dass die an der Uni Freiburg durchgeführte Studie genau jene regulatorischen, operativen und unternehmerischen Herausforderungen ausblendet, die für eine Substitution in der Praxis entscheidend sind. Die 5 zentralen Kritikpunkte aus Sicht von Pharma Deutschland lauten:
1. Chemische Verfügbarkeit ist nicht gleich praktische Austauschbarkeit
Die Studie definiert eine „Alternative“ allein als PFAS-freien Wirkstoff derselben chemisch-pharmakologischen Gruppe – ohne Evidenzlage, Zulassungsstatus in Deutschland, Indikation, Dosierung oder Erstattung zu bewerten.
2. Der Austausch eines Wirkstoffs ist rechtlich keine Formsache
Ein Wirkstoffwechsel erfordert in der Regel eine vollständige Neuzulassung. Reale Verfahren dauern lange: Das dezentralisierte Zulassungsverfahren beim BfArM nahm 2024 im Schnitt 746 Tage in Anspruch; die Entwicklung eines völlig neuen Wirkstoffs dauert 12 bis 13,5 Jahre. Solche Fristen ergeben sich aus dem Arzneimittelrecht, nicht aus mangelndem Willen der Hersteller.
3. Patientensicherheit und Langzeitdaten werden nicht gewürdigt
Jeder Wirkstoffwechsel ist eine medizinische Nutzen-Risiko-Abwägung im Einzelfall. Neu zugelassene Alternativen stützen sich auf eine deutlich schmalere Datenbasis; Erfahrungen aus der Pharmakovigilanz belegen, dass Wissenslücken erst über Jahre geschlossen werden.
4. Versorgungssicherheit und Produktionsrealität bleiben ausgeblendet
Die Studie berücksichtigt nicht die aktuellen Probleme, die sich aus Lieferengpässen und Importabhängigkeiten ergeben. Ein forcierter Substitutionsdruck erhöht das Engpassrisiko, ohne den globalen PFAS-Eintrag zu senken.
5. Falsche Diagnose statt Systemperspektive – und ein einseitiger Blick auf die Alternativen
Aus Sicht von Pharma Deutschland legt die Studie einen “Umsetzungs-Unwillen” der Unternehmen nahe, wo de facto regulatorische, klinische und ökonomische Hürden wirken. Zugleich bleibt offen, ob die vorgeschlagenen Alternativen ökologisch überhaupt besser sind – Umweltdaten zu ihnen sind oft unvollständig.
Pharma Deutschland fordert daher ein integriertes Bewertungsmodell, das Umweltwirkungen, Patientensicherheit und Versorgungssicherheit gleichrangig zusammenführt, sowie realistische Übergangsfristen. Die Branche ist bereit, gemeinsam mit den anderen Stakeholdern, wie bspw. UBA, BfArM, EMA und der Ärzteschaft, gemeinsame Lösungen in einem strukturierten Dialog zu diskutieren und zu erarbeiten.
Quelle:
Pharma Deutschland: Freiburger PFAS-Studie: Wer nur die Moleküle betrachtet, verkennt das große Ganze (PDF)
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