EU: Ewigkeitschemikalien im Zielkonflikt
Der wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments (EPRS) hat am 14. Juli 2026 ein umfassendes Briefing zu den sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) veröffentlicht. Das Dokument soll Abgeordneten als fachliche Grundlage für anstehende politische Entscheidungen zur PFAS-Regulierung dienen und bündelt den Stand von Wissenschaft, Regulierung und Verfahren.
Worin besteht das Problem?
PFAS sind aufgrund ihrer günstigen physikalisch-chemischen Eigenschaften für unzählige Anwendungen und Produkte wertvoll – auch im pharmazeutischen Sektor. Andererseits stellen sie eine enorme Herausforderung für Umwelt und Gesundheit dar: PFAS sind persistent und wurden weltweit in Böden, Gewässern, Lebensmitteln, Wildtieren sowie beim Menschen nachgewiesen. Angesichts des Ausmaßes der Kontamination und der Grenzen der technisch anspruchsvollen und teuen Sanierung betrachten Wissenschaftler und Regulierungsbehörden die Vermeidung einer weiteren Umweltverschmutzung, d. h. die Regulierung von PFAS an der Quelle, als die nachhaltigste Option.
Welche Lösungen werden diskutiert?
Aufgrund der ungeheuren Anzahl von PFAS ist eine Regulierung jeder einzelnen Verbindung nicht durchführbar. Die EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit sieht daher vor, PFAS als Gruppe zu regulieren. Die Europäische Chemikalienagentur prüft derzeit einen Beschränkungsentwurf im Rahmen der EU-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH), der rund 10.000 Verbindungen umfasst. Dieser würde Herstellung, Inverkehrbringen und Verwendung von PFAS grundsätzlich untersagen, sieht aber Übergangsfristen und sektorbezogene Ausnahmen für Anwendungen vor, bei denen derzeit keine geeigneten Alternativen verfügbar sind.
Wie geht es weiter?
Die Europäische Chemikalienagentur wird ihre abschließende Stellungnahme voraussichtlich bis Ende 2026 an die Europäische Kommission übermitteln. Das Europäische Parlament wird den Beschränkungsentwurf der Kommission prüfen. Anschließend wird die Europäische Kommission einen konkreten Regulierungsvorschlag für die weiteren Beratungen vorlegen.
Das Briefing des EPRS verdeutlicht den zentralen Zielkonflikt:
- Risikoreduktion für Umwelt und Gesundheit durch weitreichende Beschränkung
- gleichzeitige Sicherung kritischer Anwendungen und Berücksichtigung strategischer Industriezweige
Quelle:
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