Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
EU: Parallele Anwendung von MDR/IVDR und AI Act bei KI-basierten Medizinprodukten
News: Europa

EU: Parallele Anwendung von MDR/IVDR und AI Act bei KI-basierten Medizinprodukten

Die Medical Device Coordination Group (MDCG) hat gemeinsam mit dem Artificial Intelligence Board (AIB) das Dokument MDCG 2025-6 veröffentlicht. Es enthält erstmals offizielle Erläuterungen zur parallelen Anwendung der Medical Device Regulation (MDR), der In-vitro Diagnostic Regulation (IVDR) und der neuen EU-Verordnung über Künstliche Intelligenz (AI Act) auf sogenannte Medical Device AI (MDAI)-Systeme.

Das Dokument legt dar, dass ein MDAI dann als "High-Risk AI System" gemäß Artikel 6 (1) AI Act gilt, wenn zwei kumulative Bedingungen erfüllt sind:

  1. Das KI-System ist ein Sicherheitsbestandteil eines Produkts oder das KI-System selbst ist als Medizinprodukt eingestuft, und

  2. Das Produkt unterliegt einer Konformitätsbewertung durch eine Benannte Stelle gemäß MDR oder IVDR.

Die MDCG stellt klar, dass die Risikoklassifizierung nach MDR/IVDR ausschlaggebend für die Anwendung des AIA ist – nicht umgekehrt. Hersteller von MDAI sollen, gemäß Artikel 8(2) AIA, ihre AIA-Dokumentations- und Überwachungspflichten möglichst in bestehende MDR-/IVDR-Prozesse (z. B. QMS, Technische Dokumentation, Post-Market Surveillance) integrieren, sofern alle Anforderungen beider Rechtsakte vollständig erfüllt werden.

Besondere Aufmerksamkeit gilt:

  • der Abgrenzung von „Deployer“ (AI Act) und „User“ (MDR/IVDR),

  • dem Data Governance inkl. Bias-Minderung und Trainingsdatenqualität,

  • der Pflicht zur menschlichen Aufsicht und

  • der Transparenz über Funktionsweise und Einschränkungen der KI.

Das Dokument ist als Fragen und Antworten angelegt und wird regelmäßig aktualisiert. Für Hersteller, die KI in Medizinprodukten einsetzen, ist dies eine Hilfe zur AI-Act-Umsetzung bis spätestens August 2027.


Quelle:

EC: Latest updates - MDCG 2025-6 - FAQ on Interplay between the Medical Devices Regulation & In vitro Diagnostic Medical Devices Regulation and the Artificial Intelligence Act (June 2025)


Kennen Sie den GMP-BERATER?

Er ist das weltweit größte Wissensportal für Qualitätsmanagement in der Pharmaindustrie. Der Demozugang ist kostenlos und endet automatisch.

Jetzt unverbindlich testen

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

News: EMA

EMA präzisiert Chargenkennzeichnung bei parallel gehandelten Arzneimitteln

Die EMA in ihrer Frage-Antwort-Sammlung zu GMP und GDP die Antwort auf Frage 4 zu Kapitel 5 des EU-GMP-Leitfadens überarbeitet. Sie erläutert, welche Chargennummern auf der Verpackung parallel gehandelter Arzneimittel anzugeben sind.
Weiterlesen
Frage der Woche | GMP-Verlag

Wie wird der Qualifizierungsprozess von Laborgeräten dokumentiert?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
FDA-Findings: Sichere aseptische Herstellung beginnt beim Anlagendesign

FDA-Findings: Sichere aseptische Herstellung beginnt beim Anlagendesign

Auf der PDA/FDA Joint Regulatory Conference 2026 machte die FDA deutlich: Moderne Anlagentechnik allein gewährleistet keine Sterilitätssicherheit. Der Beitrag beleuchtet GMP-Mängel bei FDA-Inspektionen und die Rolle der Anlagenplanung bei der aseptischen Herstellung.

Weiterlesen
News: Europa

EDQM: Neue Arbeitsgruppe für 3D-gedruckte Arzneimittel

Die Europäische Arzneibuchkommission (EPC) hat die Einrichtung einer Arbeitsgruppe für 3D-gedruckte Arzneimittel beschlossen. Ziel ist es, geeignete Qualitätsstandards im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) zu verankern.
Weiterlesen
EMA: 14 neue Nitrosamine im Appendix 1

EMA: 14 neue Nitrosamine im Appendix 1

Der Appendix 1 zum Q&A der EMA zu Nitrosamin-Verunreinigungen ist im Oktober 2026 weiter ergänzt worden. Dieser Appendix enthält die zulässigen Aufnahmemengen (Acceptable Intake, AI) für N-Nitrosamine.
Weiterlesen
WHO: Entwurf zur Überarbeitung der Guidelines on Quality Risk Management

WHO: Entwurf zur Überarbeitung der Guidelines on Quality Risk Management

Die WHO hat einen überarbeiteten Entwurf ihrer „WHO guidelines on quality risk management“ veröffentlicht. Das Arbeitsdokument QAS/26.994 steht bis zum 15. November 2026 zur öffentlichen Kommentierung.

Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes