EMA: Diskussionen zum revidierten Leitfaden zur Umweltrisikobewertung (ERA)
Im Rahmen des zweiten Industrie-Stakeholder-Webinars zum revidierten Leitfaden zur Umweltrisikobewertung (ERA) für Humanarzneimittel diskutierte die European Medicines Agency (EMA) zentrale Umsetzungsfragen aus der ersten Anwendungsphase des neuen Leitfadens. Im Fokus standen Datenteilung, Literaturrecherche, Expositionsabschätzung sowie methodische und technische Anforderungen bei der Erstellung von ERA-Dossiers. Ziel des Webinars war es, regulatorische Erwartungen zu präzisieren und häufige Missverständnisse aus der Praxis zu adressieren.
Die EMA äußerte ihre Erwartungen zu den folgenden Themen:
Datenteilung und generische Anträge
Jede Zulassung muss eine vollständige und eigenständige ERA
enthalten. Auch ohne formale Datenteilungsvereinbarung kann auf bestehende ERAs
Bezug genommen werden, sofern nachvollziehbar begründet wird, dass deren
wissenschaftliche Schlussfolgerungen weiterhin anwendbar sind. Sind bestehende
ERAs unvollständig oder nicht konform mit dem revidierten Leitfaden, sind
ergänzende Studien erforderlich.
Literaturrecherche
Literaturdaten dürfen verwendet werden, wenn deren Qualität,
Relevanz und Zuverlässigkeit belegt sind. Die Suchstrategie ist transparent
darzustellen. Eine zusätzliche EMA-Guidance zur Literaturrecherche ist derzeit
nicht vorgesehen.
Verwendung von Verbrauchs- und Verkaufsdaten
Verkaufs-, Monitoring- oder Verbrauchsdaten dürfen nicht
mehr zur Expositionsverfeinerung herangezogen werden. In Phase I ist
grundsätzlich von einem Marktanteil von 100 % auszugehen.
Expositionsverfeinerungen sind ausschließlich in Phase II zulässig, z. B. über
Abwasserbehandlungsmodelle.
Technische und methodische Klarstellungen
Wirkungskonzentrationen mit einer 10-%-Effektschwelle
(Effective Concentration 10 %, EC10) werden bevorzugt akzeptiert, sofern sie
wissenschaftlich belastbar sind. Für ionisierbare Substanzen wird eine experimentelle
Bestimmung des Oktanol/Wasser-Verteilungskoeffizienten (logarithmischer
Oktanol/Wasser-Verteilungskoeffizient, log Kow) empfohlen. Für neue
ERAs ist ein OECD-106-Adsorptionsversuch bis Tier 3 erforderlich; bereits
akzeptierte ältere Studien bleiben weiterhin gültig.
Maßgeschneiderte Prüfstrategien und 3R-Prinzip
Maßgeschneiderte Prüfstrategien zur Reduktion, Verfeinerung
und zum Ersatz von Tierversuchen (3R-Prinzip: Replace, Reduce, Refine) sind
möglich, müssen jedoch wissenschaftlich fundiert begründet sein und dürfen die
regulatorischen Mindestanforderungen nicht unterlaufen.
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