Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Welche Rolle spielt die Risikobewertung beim Einsatz von KI-Systemen in der Personalentwicklung?

Welche Rolle spielt die Risikobewertung beim Einsatz von KI-Systemen in der Personalentwicklung?

Auszug aus dem GMP-BERATER, Kapitel 2.B, Schulung als Element der Personalentwicklung

5 Min. Lesezeit | von Dr. Michael Hiob
Erschienen im LOGFILE 03/2026

KI-Systeme treten im Bereich von GMP-Schulungen in vielfältiger Form und unterschiedlichsten Anwendungen in Erscheinung. Die Entwicklung in diesem Bereich verläuft rasant. Ein tiefes Verständnis der Systeme und eine individuelle Risikobetrachtung vor dem Einsatz sind deshalb unerlässlich.


KI-Systeme treten im Bereich von GMP-Schulungen in vielfältiger Form und unterschiedlichsten Anwendungen in Erscheinung. Die Entwicklung in diesem Bereich verläuft rasant. Dementsprechend ist es schwer, abschließend zu definieren, was ein KI-System darstellt und umfasst. In Erwägungsgrund Nr. 12 zur KI-Verordnung findet man dazu hilfreiche Hinweise:

„Ein wesentliches Merkmal von KI-Systemen ist ihre Fähigkeit, abzuleiten. Diese Fähigkeit bezieht sich auf den Prozess der Erzeugung von Ausgaben, wie Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen, die physische und digitale Umgebungen beeinflussen können, sowie auf die Fähigkeit von KI-Systemen, Modelle oder Algorithmen oder beides aus Eingaben oder Daten abzuleiten. Zu den Techniken, die während der Gestaltung eines KI-Systems das Ableiten ermöglichen, gehören Ansätze für maschinelles Lernen, wobei aus Daten gelernt wird, wie bestimmte Ziele erreicht werden können, sowie logik- und wissensgestützte Konzepte, wobei aus kodierten Informationen oder symbolischen Darstellungen der zu lösenden Aufgabe abgeleitet wird. Die Fähigkeit eines KI-Systems, abzuleiten, geht über die einfache Datenverarbeitung hinaus, indem Lern-, Schlussfolgerungs- und Modellierungsprozesse ermöglicht werden. Die Bezeichnung „maschinenbasiert“ bezieht sich auf die Tatsache, dass KI-Systeme von Maschinen betrieben werden. Durch die Bezugnahme auf explizite oder implizite Ziele wird betont, dass KI-Systeme gemäß explizit festgelegten Zielen oder gemäß impliziten Zielen arbeiten können. Die Ziele des KI-Systems können sich — unter bestimmten Umständen — von der Zweckbestimmung des KI-Systems unterscheiden.“

Ein KI-System arbeitet in unterschiedlichem Grad autonom und kann sich nach dem Einsatz anpassen, indem es aus Eingaben oder Daten lernt und so Ergebnisse wie Vorhersagen, Empfehlungen oder Entscheidungen generiert.


Risikobewertung

Vor dem Einsatz von KI-Systemen muss eine individuelle Risikobewertung durchgeführt werden. Wie bereits dargestellt, sind die Einsatzmöglichkeiten von KI bei der Durchführung von GMP-Schulungen sehr vielfältig. Dementsprechend kann hier keine pauschale Aussage über ihre Risikoeinstufung gemacht werden. Es ist die Pflicht des Herstellers, die von ihm eingesetzten KI-Systeme individuell zu analysieren und zu bewerten. Die Risikoklassifizierung von KI-Systemen erfolgt auf der Basis der Vorgaben der EU-KI-Verordnung. Danach werden KI-Systeme in verschiedene Risikostufen eingeteilt, denen jeweils unterschiedliche Anforderungen zugeordnet sind:

Maßgeblich für die Risikoeinstufung sind

  • der Zweck, Anwendungsbereich und die von dem KI-System zu erfüllenden Aufgaben, 
  • der Grad der Automatisierung und der Umfang der Kontrolle/Steuerung durch den Menschen, 
  • die technische Ausgestaltung, wie z.B. die Komplexität der Algorithmen, die Datenbasis und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Besonders große Modelle können als systemisches Risiko eingestuft werden.
  • die potentielle Schadenswirkung anhand der Kombination aus der Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts und der Schwere des möglichen Schadens. Berücksichtigt werden physische, psychische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Schäden. 


Die nachfolgende Tabelle enthält eine (nicht abschließende) Auflistung von Risiken und Gegenmaßnahmen, die beim Einsatz von KI-Systemen im Rahmen der GMP-Schulung zu beachten sind: 

KI-Systeme, die bei GMP-Schulungen eingesetzt werden, dürften in der Regel nicht in die Hochrisiko-Kategorie nach der KI-Verordnung fallen, da sie keinen direkten Einfluss auf Patientensicherheit, Arzneimittelherstellung oder regulatorisch relevante Entscheidungen im Produktionsprozess haben. KI-Systeme werden hier zur Wissensvermittlung, als Assistenzsysteme für Lerninhalte oder zur Verwaltung, Durchführung und Auswertung von Schulungen eingesetzt. Insoweit ist eine Einstufung als System mit minimalem oder begrenztem Risiko anzunehmen. Eine konkrete Einordnung sollte jedoch immer im Einzelfall anhand des Einsatzzwecks und der regulatorischen Vorgaben erfolgen. 

  • KI-Systeme, die mit Menschen interagieren (z.B. Chatbots) oder KI-gestützte E-Learning-Plattformen, könnten als Systeme mit begrenztem Risiko eingestuft werden. 
  • KI-Systeme zur automatisierten Terminplanung, zum Ressourcenmanagement oder zur Dokumentation von Schulungsergebnissen stellen in der Regel ein minimales Risiko dar, da das Schadenspotential sehr gering ist. 
  • Automatisierte Auswertungen von Erfolgskontrollen und die Erstellung von Schulungsnachweisen stellen ein minimales bis begrenztes Risiko dar, solange keine persönlichen Leistungsbewertungen ohne menschliche Kontrolle erfolgen. Wenn die KI mit besonders sensiblen personenbezogenen Daten arbeitet und diese in die Bewertung einfließen, könnte das Risiko steigen.
  • Wenn die KI eigenständig entscheidet, ob eine Person eine Schulung bestanden hat oder nicht, und dies Auswirkungen auf die Entscheidung über die Qualifikation oder Beschäftigung hat, könnte sie in die Hochrisiko-Kategorie fallen. Dies sollte jedoch im GMP-Schulungskontext nicht vorkommen, da in der Regel eine menschliche Endkontrolle vorzusehen ist.




Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte kontaktieren Sie uns.redaktion@gmp-verlag.de

Dr. Michael Hiob
Dr. Michael Hiob

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

EU: Verstärkte Zusammenarbeit mit der WHO bei der Pandemievorsorge

EU: Verstärkte Zusammenarbeit mit der WHO bei der Pandemievorsorge

„Die öffentliche Gesundheit steht heute vor einer neuen Art von Herausforderung: Geschwindigkeit. Krankheiten breiten sich schneller und unvorhersehbarer aus denn je und überschreiten dabei Grenzen und Kontinente“, erklärte Hadja Lahbib, EU-Kommissarin für Gleichstellung, Katastrophenvorsorge und Krisenmanagement, anlässlich der Unterzeichnung einer EU4Health-Beitragsvereinbarung im Wert von über 4 Millionen Euro mit dem Zentrum für Pandemie- und Epidemieaufklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Berlin am 24.7.2026.

Weiterlesen
PIC/S: Überarbeitete Empfehlungen zu Qualifizierung und Validierung

PIC/S: Überarbeitete Empfehlungen zu Qualifizierung und Validierung

PIC/S hat die „Recommendations on Qualification and Validation“ (PI 006-4) grundlegend überarbeitet. Die neue Fassung wurde am 30. Juli 2026 veröffentlicht, tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft und ersetzt die Version von 2007. Das Dokument wuchs von 26 auf 49 Seiten.
Weiterlesen
Welche Rolle spielt die OQ innerhalb der Qualifizierung?

Welche Rolle spielt die OQ innerhalb der Qualifizierung?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
Präzision braucht Kontrolle: Qualifizierung von Laborgeräten

Präzision braucht Kontrolle: Qualifizierung von Laborgeräten

Im Alltag vertrauen wir Technik meist blind. Im Labor jedoch kann blindes Vertrauen zum Risiko werden: Fehlerhafte Messwerte können zu falschen Qualitätsentscheidungen führen - im schlimmsten Fall sogar zu fehlerhaften Produktfreigaben. Deshalb ist die Qualifizierung von Laborgeräten weit mehr als eine formale Pflichtübung. Sie ist eine zentrale Voraussetzung für verlässliche Daten, für GMP-Compliance und letztlich für die Patientensicherheit. Oder anders formuliert: Präzision braucht Kontrolle: deswegen müssen Laborgeräte qualifiziert werden!
Weiterlesen
Swissmedic: Implementierung der EU-GMP-Durchführungsverordnungen für Tierarzneimittel

Swissmedic: Implementierung der EU-GMP-Durchführungsverordnungen für Tierarzneimittel

Die neuen EU-Durchführungsverordnungen zu den GMP-Anforderungen für Tierarzneimittel und Wirkstoffe für Tierarzneimittel werden in der Schweiz zum 16. Juli 2026 nicht automatisch in die Arzneimittel-Bewilligungsverordnung (AMBV) übernommen.

Weiterlesen
EU: Anhänge 4 und 5 aus dem EU-GMP-Leitfaden entfernt

EU: Anhänge 4 und 5 aus dem EU-GMP-Leitfaden entfernt

Nach Inkrafttreten der Durchführungsverordnungen (EU) 2025/2091 und (EU) 2025/2154 über die Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis (GMP) für Tierarzneimittel und für Wirkstoffe für Tierarzneimittel am 16. Juli 2026 hat die Europäische Kommission die Anhänge 4 und 5 aus dem EU-GMP-Leitfaden entfernt.
Weiterlesen
EU-Kommission: Version 22 der Q&As zu Sicherheitsmerkmalen veröffentlicht

EU-Kommission: Version 22 der Q&As zu Sicherheitsmerkmalen veröffentlicht

Die Europäische Kommission hat Version 22 ihrer Questions and Answers on Safety Features for Medicinal Products for Human Use veröffentlicht.
Weiterlesen
WHO: Finale Points to Consider zur kontinuierlichen Herstellung

WHO: Finale Points to Consider zur kontinuierlichen Herstellung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die finale Fassung ihrer Points to Consider in Continuous Manufacturing of Pharmaceutical Products veröffentlicht. Das Dokument soll Hersteller und Aufsichtsbehörden bei der Einführung und regulatorischen Bewertung kontinuierlicher Herstellungsverfahren unterstützen und ergänzt bestehende internationale Leitlinien, insbesondere ICH Q13.
Weiterlesen
EMA: Revision von Anhang 15 verzögert sich

EMA: Revision von Anhang 15 verzögert sich

Die EMA hatte im Februar 2026 ein Konzeptpapier zur Revision des Anhangs 15 des EU-GMP-Leitfadens „Qualifizierung und Validierung“ veröffentlicht (wir berichteten). Nun hat sie eine korrigierte Fassung publiziert, die einen deutlich angepassten Zeitplan enthält.
Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenMusterdokumenteMuster-SOPsMuster-Formulare Muster-ProtokolleMuster-DokumentationenChecklistenProzessdiagramme (Flowcharts) Praxisbeispiele zur Anwendung von QRM (z. B. Risikoanalysen) Beispieldokumente zur Qualifizierung und ValidierungFallbeispiele Alle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und BehördeEin Team aus über 80 Expert*innen interpretiert behördliche Anforderungen und beschreibt deren Umsetzung in die Praxis. Die Autor*innen greifen zurück auf langjährige Erfahrung in der pharmazeutischen Industrie, Beratung und Behörde.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
810,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden dem Online-Portal automatisch hinzugefügt. Alle Information dazu erhalten Sie über unseren Infoletter Insider. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Für die individuelle Bearbeitung steht jede SOP mit einem Klick zum Download zur Verfügung. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Umsetzungstipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potenzial für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als bearbeitbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen. Sie dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Kommentare und Umsetzungstipps unterstützen Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre Unternehmensabläufe. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.