Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Qualifizierung im Lebenszyklus einer Anlage

Qualifizierung im Lebenszyklus einer Anlage

Auszug aus dem GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0

6 Min. Lesezeit | von Dr. Julia Frej, René Mosinski
Erschienen im LOGFILE 04/2026

Von der ersten Risikoanalyse bis zur Stilllegung - der Lebenszyklus einer Anlage ist weit mehr als DQ, IQ, OQ und PQ. Wer Qualifizierung ganzheitlich denkt, schafft nicht nur Compliance, sondern legt den Grundstein für Qualität, Effizienz und nachhaltigen Projekterfolg.


Der Lebenszyklus einer Anlage beginnt mit der initialen Qualifizierung und erstreckt sich über die Implementierung, den Betrieb bis hin zur Außerbetriebnahme. Die abgeschlossene Qualifizierung weist dabei die Eignung von Gebäuden, Einrichtungen, Anlagen, Maschinen, Computern, Mitarbeitern und Lieferanten von Einsatzstoffen für den vorgesehenen Einsatzzweck nach. Die erfolgreiche Qualifizierung ist Voraussetzung für die Durchführung von Prozess- und Methodenvalidierung. Die Qualifizierung im Lebenszyklus einer Anlage kann wie folgt aussehen:


Bei einer neuen Anlage beginnt der Lebenszyklus bei der Planungsphase. Dort geht es darum, den GMP-Impact mit Hilfe einer Risikoanalyse zu ermitteln, den Qualifizierungsplan und das Lastenheft bzw. die URS zu erstellen, eventuell eine CSV-Systembeschreibung zu erstellen, das Angebot bzw. das Pflichtenheft (TS/FDS) einzuholen und mit den Anforderungen abzugleichen und schließlich wieder eine Risikoanalyse zu erstellen. Nach erfolgreichem Abschluss der Planungsphase, folgt die Implementierungsphase mit der Designqualifizierung (DQ), der Bestellung, dem Factory Acceptance Test (FAT), der Installationsqualifizierung (IQ), dem Site Acceptance Test (SAT), der Operational Qualification (OQ), der Performance Qualification (PQ), dem abschließenden Qualifizierungsbericht und der Tracebility-Matrix mit Freigabe. Anschließend folgt die Betriebsphase. Dort gibt es den Routinebetrieb mit regelmäßiger Instandhaltung (Wartung, Kalibrierung, Reparaturen), Periodic Reviews, regelmäßige Requalifizierungen bzw. Requalifizierungen bei Änderungen (inkl. Risikoanalyse) und sofern relevant: Überprüfung von Audittrail und Benutzerverwaltung im Rahmen der CSV. Wenn die Anlage außer Betrieb genommen werden soll, folgt schließlich die Stilllegung im Rahmen der Stilllegungsphase. 


Planungsphase 

Eine detaillierte Zeit-, Kosten- und Ressourcenplanung ist wesentlich für den erfolgreichen Verlauf des Gesamtprojektes. In der Praxis wird der Aufwand für Qualifizierungstätigkeiten regelmäßig unterschätzt. Infolgedessen ist der Zeitrahmen dafür nicht einzuhalten, und der Kostenrahmen wird gesprengt. Diese Planungen sollten bereits im Qualifizierungsmasterplan (QMP) enthalten sein. 

Im Terminplan sollte vor allem für die frühe Projektphase genügend Zeit vorgesehen werden. Je später ein Fehler bemerkt wird, desto größer ist der Aufwand, ihn zu korrigieren. Wichtig ist eine Abschätzung, wie viele Testpunkte abgearbeitet werden müssen, wo dies erfolgt und ob ausreichend Kapazitäten in Labors und weiteren Fachabteilungen vorhanden sind. Auch gilt es Vorlaufzeiten (z. B. Rüstzeiten) einzuplanen. 

Ein wichtiger Bestandteil aller Qualifizierungsaktivitäten sind GMP-Risikoanalysen. Sie dienen der Ermittlung potenzieller Risiken und deren Ursachen sowie der Festlegung geeigneter Maßnahmen. Mit GMP-Risikoanalysen können Umfang und Tiefe einer Qualifizierung festgelegt werden. Das Potential einer GMP-Risikoanalyse besteht dabei darin, die Anzahl der Tests oder Prüfungen zu reduzieren. 

Für eine effektive Qualifizierung sollten alle Aktivitäten aus den Projektphasen für die Qualifizierung nutzbar sein, um Doppelarbeiten zu vermeiden. Dabei ist auf eine Gute Dokumentationspraxis zu achten. 


Implementierungsphase 

In der Designphase werden die Weichen für die Qualität einer Anlage gestellt, aber auch für den reibungslosen Ablauf des Gesamtprojektes. Die Designqualifizierung (DQ) umfasst die Dokumentation der Planungsphase einschließlich der Entscheidungsfindung. DQ-Dokumente beschreiben die Anforderungen des Auftraggebers zum Liefer- und Leistungsumfang (Lastenheft/URS) bzw. die Übereinkunft mit dem Auftragnehmer zur Realisierung und Abwicklung des Projektes (Pflichtenheft/TS/FDS). 

Bei der Installationsqualifizierung (IQ) wird die Ausrüstung auf Übereinstimmung mit dem in der DQ (Designqualifizierung) erstellten Anforderungsprofil und auf ordnungsgemäße Installation geprüft. Die Installationsqualifizierung umfasst also nicht nur die korrekte Installation, sondern auch die Identifizierung des gesamten Lieferumfangs der Ausrüstung und die Bestätigung, dass sämtliche Bestandteile den im Pflichtenheft festgelegten Spezifikationen entsprechen. Ob die Inbetriebnahme vor oder nach der IQ erfolgen soll, hängt in erster Linie von der Art der Anlage ab. Um doppelte Arbeit und mehrmalige Durchführung identischer Prüfungen zu vermeiden, ist es unentbehrlich, den Zeitpunkt der Inbetriebnahme im Vorfeld zu planen. In vielen Fällen ist eine sichere Inbetriebnahme nur nach der IQ möglich. Hierzu zählen z. B. verfahrenstechnische Anlagen oder Wasseranlagen mit komplizierter Verrohrung. 

Die Funktionsqualifizierung (OQ) dient dem Nachweis, dass die Anlage auf der Basis festgelegter Parameter und innerhalb definierter Grenzen funktioniert. Die OQ ist ein Prüfprozess, deshalb müssen die anzuwendenden Testverfahren sowie die Akzeptanzkriterien im Voraus bestimmt sein. Ebenso wie die Installationsqualifizierung gehört die OQ zu den standardmäßig durchzuführenden Projektphasen innerhalb der Qualifizierung. Je nach Art der Ausrüstung kann die Qualifizierung mit Abschluss der OQ beendet sein, da nicht alle Systeme zwingend einer Leistungsqualifizierung (PQ) unterworfen werden. 

Im Rahmen der Leistungsqualifizierung (PQ) wird das richtige Zusammenspiel der bereits als Einzelbestandteile geprüften Ausrüstungsteile in größeren Einheiten wie z. B. Lüftungssystemen, Reinstwassersystemen, Abfüll- und Verpackungslinien geprüft. 


Betriebsphase 

Ein einmal erreichter Qualifizierungsstatus muss über den gesamten Lebenszyklus der Anlage bis hin zur Stilllegung garantiert werden. Dies erreicht man über regelmäßige Kalibrierungs-, Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen, ein effektives Änderungsmanagement und regelmäßige Überprüfungen (Periodischer Review, PR). Änderungen können je nach ihrer Kritikalität und Auswirkung auf das Gesamtsystem zu einer Requalifizierung führen. 

Die Gesamtheit dieser Maßnahmen führt dazu, dass die Komplexität der Anlage während ihres Lebenszyklus zunimmt. Dies erfordert eine gut organisierte und kontinuierlich gepflegte Dokumentation der Anlage und ihrer Historie. Auch das Ausfallrisiko nimmt mit der Betriebsdauer zu. Die damit verbundenen Risiken und Maßnahmen sind in einer gesonderten Risikoanalyse zu bewerten. 


Stilllegungsphase 

Der Lebenszyklus einer Anlage endet mit der Stilllegung. Dabei ist zu beachten, dass es sich bei der Stilllegung um eine Änderung handelt, die mit dem Änderungsmanagement unterliegt. Oftmals wird vor Stilllegung eines Systems nochmals eine Requalifizierung durchgeführt, um sicher zu stellen, dass die Anlage bis zum Schluss korrekt funktioniert hat.


Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte kontaktieren Sie uns.redaktion@gmp-verlag.de

Dr. Julia Frej
Dr. Julia Frej

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

Deutschland: Änderungen im Tierarzneimittelgesetz

Deutschland: Änderungen im Tierarzneimittelgesetz

Mit dem Gesetz zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes, des Tierarzneimittelgesetzes und des tiergesundheitsrechtlichen Bußgeldgesetzes wurden mehrere Vorschriften des Tierarzneimittelgesetzes (TAMG) angepasst. Die Änderungen gelten seit 10. März 2026.
Weiterlesen
FDA: Entwurf zur Beantwortung von Formular-483-Beobachtungen

FDA: Entwurf zur Beantwortung von Formular-483-Beobachtungen

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen Entwurf einer Leitlinie zur Beantwortung von Formular-FDA-483-Beobachtungen nach GMP-Inspektionen veröffentlicht. Das Dokument beschreibt, wie Hersteller Inspektionsbefunde strukturiert adressieren sollten und welche Informationen eine Antwort enthalten sollte.
Weiterlesen
GMP trifft Strahlenschutz – wie geht das zusammen?

GMP trifft Strahlenschutz – wie geht das zusammen?

Die Herstellung von Radiopharmazeutika erfordert die gleichzeitige Einhaltung von EU-GMP-Leitfaden und Strahlenschutzverordnung, was zu Zielkonflikten zwischen Produktsicherheit und Personenschutz führen kann. Technische Lösungen wie Unterdrucksysteme und Bleizellen sowie eine frühzeitige Behördenabstimmung sind entscheidend für eine GMP- und strahlenschutzkonforme Umsetzung.
Weiterlesen
Durch welche Maßnahmen können Kreuzkontaminationen vermieden werden?

Durch welche Maßnahmen können Kreuzkontaminationen vermieden werden?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
Team-NB: Chancen und Risiken der MDR/IVDR-Revision

Team-NB: Chancen und Risiken der MDR/IVDR-Revision

Der europäische Verband der Benannten Stellen für Medizinprodukte, Team-NB, sieht in der geplanten Revision der MDR und IVDR grundsätzlich Chancen für mehr Effizienz, Transparenz und Vorhersehbarkeit im Konformitätsbewertungsverfahren.
Weiterlesen
EMA: Aktualisierte Fragen und Antworten zu OOS-ATMP-Chargen

EMA: Aktualisierte Fragen und Antworten zu OOS-ATMP-Chargen

Die EMA hat ihre Fragen und Antworten zum Umgang mit Out-of-Specification (OOS)-Batches zugelassener zell- bzw. gewebe-basierter ATMPs überarbeitet (“Questions and answers on the use of out-of-specification batches of authorised cell/tissue-based ATMPs”, Rev. 1, 2026). Die Revision präzisiert stärker, unter welchen außergewöhnlichen Umständen ein OOS-Batch verwendet werden darf.
Weiterlesen
EMA: Neue Q&A zu Mischungen aus Wirkstoffen und Hilfsstoffen

EMA: Neue Q&A zu Mischungen aus Wirkstoffen und Hilfsstoffen

Neue Fragen und Antworten zur Qualität von Arzneimitteln erläutern den regulatorischen Umgang mit Mischungen aus Wirkstoffen und Hilfsstoffen („API Mix“). Eine solche Mischung wird als Kombination eines Wirkstoffs mit einem oder mehreren Hilfsstoffen definiert und gilt als erster Herstellungsschritt des Fertigarzneimittels.

Weiterlesen
EMA: GMP-Dokumentation für die Sterilisation eines Wirkstoffs

EMA: GMP-Dokumentation für die Sterilisation eines Wirkstoffs

Die EMA Fragen-und-Antworten zur Qualität von Arzneimitteln wurden ergänzt um folgende Frage: Welche GMP-Dokumentation wird für einen Wirkstoffhersteller benötigt, der die Sterilisation eines Wirkstoffs durchführt?

Weiterlesen
EMA: Neue Guideline zu Elementarverunreinigungen in Tierarzneimitteln

EMA: Neue Guideline zu Elementarverunreinigungen in Tierarzneimitteln

Die EMA hat die neue Guideline on risk management requirements for elemental impurities in veterinary medicinal products (EMA/CVMP/426245/2023) veröffentlicht. Sie wurde entwickelt, um die bisherigen Dokumente zur Risikobewertung und zum Umgang mit Elementarverunreinigungen in Tierarzneimitteln in ein einheitliches, klar strukturiertes Guideline-Format zu überführen.
Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
810,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit über 600 Arbeitshilfen, Checklisten, Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenAlle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und Behörde

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden Ihrer Sammlung automatisch hinzugefügt. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Einfach klicken, schon steht Ihre SOP zur Verfügung.Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Tipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potential für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als editierbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen an die Herstellung von Arzneimitteln und dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Mit zahlreichen erklärenden Hinweisen und nützlichen Tipps, die Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre konkreten Unternehmensabläufe unterstützen. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.