Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Fehlerbewertungslisten und Fehlerbildkataloge selbst erstellen – aber wie?

Fehlerbewertungslisten und Fehlerbildkataloge selbst erstellen – aber wie?

Fehlerbewertungslisten und Fehlerbildkataloge

7 Min. Lesezeit | von Dr. Felix Tobias Kern und Fritz Röder
Erschienen im LOGFILE Leitartikel 34/2021

Fehlerbewertungslisten und Fehlerbildkataloge sind beliebte GMP-Dokumente, die seit mehr als 45 Jahren Anwendung finden.

Sie dienen als Rationale für die Qualitätsbeurteilung individueller Chargen und setzen Qualitätsstandards für die Herstellung und für die Testung von pharmazeutischen Produkten. Dabei stellen Sie Life-Cycle Dokumente dar, die mit dem Prozess leben und entsprechend aufgetretener Fehlerbilder auf dem aktuellen Stand gehalten werden müssen.

Für pharmazeutische Herstellbetriebe besteht die Möglichkeit, standardisierte kommerzielle Fehlerbewertungslisten und Fehlerbildkataloge zu kaufen. Diese besitzen allerdings den Nachteil, dass sie auf den vorliegenden Herstellprozess, das Produkt und auf die tatsächlich auftretenden Fehlerbilder nicht zugeschnitten sind. Somit bietet sich die Erstellung von hauseigenen Fehlerbewertungslisten und Fehlerbildkatalogen an. Dieser Artikel erklärt, wie.

Die Erstellung von eignen Fehlerbildkatalogen und -listen läuft in folgenden Schritten ab:

  • Schritt 1: Sammlung und Listung (potentieller) Produktfehler
  • Schritt 2: Kategorisierung der (potentiellen) Produktfehler
  • Schritt 3: Erstellung des Fehlerbildkatalogs
  • Schritt 4: Erstellung der Fehlerbewertungsliste

Im Schritt 1 werden alle bereits aufgetretenen und alle potentiellen Fehlerbilder gesammelt. Als Beispiele für Quellen von Produktfehlern können Entwicklungsdokumente oder Risikoanalysen für neue Produkte und Herstellprozesse dienen, aber auch aufgetretene Fehlerbilder während der Entwicklung. Für etablierte Prozesse und Produkte kann man die Erfahrung aus manuellen Sortierungen, aus aufgetretenen Abweichungen sowie Rückmeldungen aus dem Markt (Complaints) nutzen.

Die Fehlerbilder werden systematisch aufgelistet und jedem Fehlerbild wird ein Severity Rank (Patientenrisiko durch das Fehlerbild) in einem Nummerierungssystem von beispielsweise 1 - 3 zugeordnet.


Im Schritt 2 wird anhand des individuellen Fehlerbildes basierend auf dem Severity Rank eine Entscheidung getroffen:

  1. Charge ist akzeptabel.
  2. Charge ist nicht akzeptabel.
  3. Acceptable Quality Level (AQL) nach DIN ISO 2859-1 zuordnen.

Zum Visual Management kann man die Fehlerbilder hierdurch in ein entsprechendes Ampelschema einordnen: Akzeptable Fehlerbilder kommen in einen grünen Bereich, AQL-belegte Fehlerbilder in einen gelben Bereich und nicht akzeptable Fehlerbilder in einen roten Bereich.


Im Schritt 3 wird basierend auf der Vorarbeit von Schritt 1 und 2 ein Fehlerbildkatalog erstellt. Dieser dient als Hilfestellung für die Mitarbeitenden an den Produktionslinien oder im Laborbereich zur Interpretation des Risikos von aufgetretenen Fehlerbildern. Die Fehlerbilder werden systematisch durchnummeriert, das Fehlerbild als Abbildung dargestellt, die Ampelfarbe dargestellt und eventuelle Folgemaßnahmen beschrieben. Diese Folgemaßnahmen können sein:

  1. Vernichtung der Charge
  2. 100 %- Kontrollen (vorzugsweise automatisiert)
  3. Auslösen einer Abweichung

Quellen von Abbildungen von Fehlerbildern können tatsächlich aufgetretene Fehler während der Produktion oder der Entwicklung sein. Alternativ können diese auch nachgestellt werden. Wichtig ist zusätzlich der Hinweis im Fehlerbildkatalog, neu auftretende, unbekannte Fehlerbilder über eine Abweichung zu bewerten und neu in den Katalog einzuordnen. Die Dokumente werden dann entsprechend versioniert.


Im Schritt 4 wird die Fehlerbewertungsliste für das Produkt erstellt. Hierbei handelt es sich um eine Checkliste, die von den Mitarbeitenden in der optischen Kontrolle ausgefüllt wird. Darin wird das Prüfergebnis eingetragen. In dieser Checkliste sind ebenfalls alle durchnummerierten Fehlerbilder mit der Prüfmethode und dem nötigen Stichprobenumfang, sowie den Akzeptanzkriterien aufgeführt. Die Folgemaßnahmen bei Nichterfüllung eines Akzeptanzkriteriums können der Fehlerbewertungsliste oder einer SOP zu den Dokumenten entnommen werden.

Abbildung 1 zeigt beispielhaft einen Ausschnitt einer Fehlerbewertungsliste in der Verpackung.


Abbildung 1


Zusammenfassung:

Fehlerbildkatalogen und Fehlerbewertungslisten kommen eine tragende Rolle in der Praxis des GMP-Alltags zu. Mit diesen Dokumenten wird die Qualität einer Charge dokumentiert und bewertet. Die Erfahrung zeigt: Diese Dokumente sollten durch den Betrieb selbst nach den beschriebenen Schritten 1 – 4 erstellt werden. So können der Katalog und die Fehlerbewertungsliste optimal auf den eigenen Prozess und das Produkt zugeschnitten werden.


Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte schreiben Sie uns: redaktion@gmp-verlag.de

Dr. Felix Kern
Dr. Felix Kern

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

EMA: Überarbeitung von Anhang 6 - Herstellung medizinischer Gase

EMA: Überarbeitung von Anhang 6 - Herstellung medizinischer Gase

EMA und PIC/S haben ein Concept Paper zur Überarbeitung von Anhang 6 Herstellung medizinischer Gase des EU-GMP-Leitfadens veröffentlicht. Die derzeit gültige Version stammt aus 2010. Die geplante Aktualisierung soll die aktuelle Herstellungspraxis, technologische Entwicklungen sowie Erfahrungen aus der COVID-19-Pandemie berücksichtigen.

Weiterlesen
EMA: Konzeptpapier zur Revision von Anhang 15

EMA: Konzeptpapier zur Revision von Anhang 15

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und PIC/S haben ein Concept Paper zur gezielten Überarbeitung von Anhang 15 des EU-GMP-Leitfadens (Qualififizierung and Validierung) veröffentlicht.

Weiterlesen
Welche Rolle spielt die Risikobewertung beim Einsatz von KI-Systemen in der Personalentwicklung?

Welche Rolle spielt die Risikobewertung beim Einsatz von KI-Systemen in der Personalentwicklung?

KI-Systeme treten im Bereich von GMP-Schulungen in vielfältiger Form und unterschiedlichsten Anwendungen in Erscheinung. Die Entwicklung in diesem Bereich verläuft rasant. Dementsprechend ist es schwer, abschließend zu definieren, was ein KI-System darstellt und umfasst.

Weiterlesen
Worauf wird bei der Inspektion von Räumen besonders geachtet?

Worauf wird bei der Inspektion von Räumen besonders geachtet?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
EMA: Reflection Paper zu nicht-mutagenen Verunreinigungen (NMIs)

EMA: Reflection Paper zu nicht-mutagenen Verunreinigungen (NMIs)

Die EMA hat ein neues Reflection Paper zur Qualifizierung nicht-mutagener Verunreinigungen (NMIs) veröffentlicht. Das Dokument beschreibt den aktuellen regulatorischen Denkstand zur Bewertung der Sicherheit neuer oder erhöhter Verunreinigungsniveaus, insbesondere wenn diese oberhalb der in ICH Q3A/Q3B definierten Qualification Thresholds liegen und erst nach Abschluss nicht-klinischer Toxikologiestudien identifiziert werden.
Weiterlesen
EMA: Diskussionen zum revidierten Leitfaden zur Umweltrisikobewertung (ERA)

EMA: Diskussionen zum revidierten Leitfaden zur Umweltrisikobewertung (ERA)

Im Rahmen des zweiten Industrie-Stakeholder-Webinars zum revidierten Leitfaden zur Umwelt­risiko­bewertung (ERA) für Humanarzneimittel diskutierte die European Medicines Agency (EMA) zentrale Umsetzungsfragen aus der ersten Anwendungsphase des neuen Leitfadens.
Weiterlesen
 EMA: Neues Q&A zu Product Lifecycle Management (PLCM)

EMA: Neues Q&A zu Product Lifecycle Management (PLCM)

Die EMA hat neue Questions & Answers zur Nutzung des Product Lifecycle Management (PLCM) Dokuments veröffentlicht. Ziel ist mehr Klarheit zur Anwendung dieses Instruments im EU-Variationssystem und zur Einbindung in Variationsverfahren.
Weiterlesen
EMA: Neues Q&A zu Co-Processed Excipients (CoPEs)

EMA: Neues Q&A zu Co-Processed Excipients (CoPEs)

Die EMA hat neue Fragen und Antworten zu Co-Processed Excipients (CoPEs) in festen oralen Darreichungsformen veröffentlicht. Ziel ist eine harmonisierte, risikobasierte Bewertung dieser Hilfsstoffe in Zulassungsdossiers.
Weiterlesen
Welche rechtlichen Anforderungen werden an die Personalqualifizierung gestellt?

Welche rechtlichen Anforderungen werden an die Personalqualifizierung gestellt?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit über 600 Arbeitshilfen, Checklisten, Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenAlle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und Behörde

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
810,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden Ihrer Sammlung automatisch hinzugefügt. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Einfach klicken, schon steht Ihre SOP zur Verfügung.Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Tipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potential für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als editierbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen an die Herstellung von Arzneimitteln und dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Mit zahlreichen erklärenden Hinweisen und nützlichen Tipps, die Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre konkreten Unternehmensabläufe unterstützen. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.