Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
15 Aspekte für die Erstellung einer Contamination Control Strategy (CCS)

15 Aspekte für die Erstellung einer Contamination Control Strategy (CCS)

Ein Auszug aus dem GMP-BERATER, Kapitel 3.D.4, Kontaminationskontrolle – Reinheitszonenkonzepte

7 Min. Lesezeit | von Harald Flechl
Erschienen im LOGFILE Leitartikel 41/2022

Die 4. Aktualisierung dieses Jahres zu unserem GMP-Wissensportal, dem GMP-BERATER, steht ganz im Zeichen des neuen Annex 1 zum EU-GMP-Leitfaden. Neben einer exklusiven deutschen Fachübersetzung und dem praxisnahen Vergleich der Endfassung mit den Entwurfsfassungen „Der Anhang-1-Vergleich: Was ist neu?“ sind bereits 4 GMP-Praxiskapitel zu Reinräumen an die neuen Anforderungen angepasst worden!

Im heutigen Leitartikel erfahren Sie in einem Auszug aus dem neu gefassten Kapitel 3.D Luftreinheitsklassen, was Sie bei der Erstellung der im Annex 1 jetzt neu geforderten Contamination Control Strategy (CCS) beachten müssen.


Kontaminationskontrolle - Reinheitszonenkonzepte

Für das Gesamtsystem Reinraum ist gemäß dem neuen Anhang 1 eine Kontaminations-Kontrollstrategie (CCS – Contamination Control Strategy) zu implementieren. Darin sind die Reinheitszonenkonzepte mit allen kritischen Kontrollpunkten zu definieren und die Wirksamkeit aller konstruktiven, verfahrenstechnischen, technischen und organisatorischen Kontrollen und Überwachungsmaßnahmen zu bewerten, die zur Beherrschung der mit der Kontamination verbundenen Risiken eingesetzt werden.

Die CCS und das Reinheitszonenkonzept definieren die Qualitäts- und Leistungsmerkmale, denen die reinraumtechnischen Problemlösungen eines Pharmaunternehmens zu genügen haben. Das geht weit über die Zuordnung von Luftreinheitsklassen hinaus und soll sich nicht nur an Erfahrungswerten, sondern auch am aktuellen Stand der Technik orientieren.

Die Erstellung einer CCS erfordert spezielles Wissen der gesamten Technik und des Prozesses. Unternehmen ohne entsprechende Expertise und Erfahrungshintergrund können durch Hinzuziehen eines erfahrenen Experten (Unternehmensberater aus dem GMP-Bereich, Planer) Unterstützung erfahren. Die Verantwortung liegt aber immer beim Hersteller, der auch das Prozess-Know-How beizusteuern hat.


Wie erstellt man eine Contamination Control Strategy

Die CCS ist ein neues, übergeordnetes Dokument zur Zusammenfassung aller vorhandenen Dokumente zu den unterschiedlichen Systemen. Bei Verweisen auf vorhandene Dokumente soll aber die Übersichtlichkeit nicht leiden und die damit verbundenen Wechselwirkungen zwischen den Systemen sollten verstanden werden1.

Die CCS sollte daher im Rahmen einer Bewertung durch das Management aktiv überprüft und ggf. aktualisiert werden und eine kontinuierliche Verbesserung der Wirksamkeit der Kontaminationsreduktion vorantreiben.


Ausgangspunkt für eine CCS-Erstellung könnte z. B. die Beantwortung folgender Fragen sein:

  • Was ist für meinen Prozess störend?
  • Welche Parameter beeinflussen die Produktqualität und Wirksamkeit?
  • Wie kann ich Veränderungen rasch erkennen und feststellen?
  • Wie kann ich Veränderungen verhindern?
  • Was hat einen Einfluss auf die Sicherheit der Patienten?

Vereinfacht gesagt:

  • was kann den Reinraum (und das Produkt) kontaminieren und wie kann man das ehestmöglich erkennen und/oder verhindern?

Für die Erstellung einer CCS sind beispielsweise folgende Aspekte zu betrachten:

  • bauliche Gestaltung und Prozessdesign
  • Räumlichkeiten und Ausrüstung
  • Material- und Personalflüsse
  • Medienver- und Entsorgung
  • Rohmaterialkontrolle und In-Prozess-Kontrolle
  • Primärpackmittel und Verschlüsse
  • Lieferantenqualifizierung für Schlüsselkomponenten/-material
  • Sterilisationsprozess-Validierung
  • Prozess-Validierung
  • Risikomanagement im Prozess
  • Wartung, Instandhaltung für geplante und ungeplante Eingriffe ohne zusätzliches Kontaminationsrisiko
  • Reinigung, Desinfektion
  • Monitoring unter Beachtung des Standes der Wissenschaft und alternativer Methoden zum Erkennen von möglichen Kontaminationen
  • Präventionsmechanismen – wie Trend-Analysen, Ursachenermittlungen, CAPAs, erforderliche Mittel
  • kontinuierliche Verbesserung auf der Grundlage von Informationen, die aus den oben genannten Punkten abgeleitet werden

Nicht nur den GMP-Aspekten, sondern auch den Anliegen des Personen- und Umweltschutzes ist gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Eine gute Grundlage für die planerische Umsetzung der im Zonenkonzept festgeschriebenen Anforderungen bieten die EN ISO-Normen zur Reinraumtechnik: die Normenreihen EN ISO 14644 für die Reinraumtechnik generell sowie die EN 17141 (ersetzt die EN ISO 14698, 2021 zurückgezogen) für die Biokontaminationskontrolle.

Eine Ergänzung dazu bietet in Deutschland die Richtlinienreihe VDI-2083 Reinraumtechnik, welche die Festlegungen der EN ISO-Normenreihen 14644 vertieft und ergänzende Themen behandelt. Die VDI-Richtlinien werden teilweise auch international angewendet.

Die Festlegungen in diesen Normen sind allgemeinen Charakters, also nicht rein pharmaspezifisch. Daher sind einige Punkte und Abschnitte auch nur sinngemäß – mit „Hausverstand“ - anzuwenden bzw. als nicht relevant anzusehen. Welche Punkte für den jeweiligen Prozess maßgebend sind, ist daher je nach Anforderung projektspezifisch festzulegen. Nach aktueller Rechtsprechung sind immer die zum Zeitpunkt der Anlagenübergabe gültigen Richtlinien relevant.

Daher wird hier auf eine Auflistung der aktuellen Richtlinien verzichtet und auf die relevanten Bezugsquellen verwiesen, z. B. Beuth Verlag, Austrian Standards Institute, usw.


1 Die ECA Foundation stellt eine Guideline zur Erstellung einer CCS zur Verfügung (CCS Guide Download - ECA Foundation (eca-foundation.org) – zuletzt aufgerufen am 19.09.2022



Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte schreiben Sie uns: redaktion@gmp-verlag.de

Harald Flechl
Harald Flechl

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

EU: Verstärkte Zusammenarbeit mit der WHO bei der Pandemievorsorge

EU: Verstärkte Zusammenarbeit mit der WHO bei der Pandemievorsorge

„Die öffentliche Gesundheit steht heute vor einer neuen Art von Herausforderung: Geschwindigkeit. Krankheiten breiten sich schneller und unvorhersehbarer aus denn je und überschreiten dabei Grenzen und Kontinente“, erklärte Hadja Lahbib, EU-Kommissarin für Gleichstellung, Katastrophenvorsorge und Krisenmanagement, anlässlich der Unterzeichnung einer EU4Health-Beitragsvereinbarung im Wert von über 4 Millionen Euro mit dem Zentrum für Pandemie- und Epidemieaufklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Berlin am 24.7.2026.

Weiterlesen
PIC/S: Überarbeitete Empfehlungen zu Qualifizierung und Validierung

PIC/S: Überarbeitete Empfehlungen zu Qualifizierung und Validierung

PIC/S hat die „Recommendations on Qualification and Validation“ (PI 006-4) grundlegend überarbeitet. Die neue Fassung wurde am 30. Juli 2026 veröffentlicht, tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft und ersetzt die Version von 2007. Das Dokument wuchs von 26 auf 49 Seiten.
Weiterlesen
Präzision braucht Kontrolle: Qualifizierung von Laborgeräten

Präzision braucht Kontrolle: Qualifizierung von Laborgeräten

Im Alltag vertrauen wir Technik meist blind. Im Labor jedoch kann blindes Vertrauen zum Risiko werden: Fehlerhafte Messwerte können zu falschen Qualitätsentscheidungen führen - im schlimmsten Fall sogar zu fehlerhaften Produktfreigaben. Deshalb ist die Qualifizierung von Laborgeräten weit mehr als eine formale Pflichtübung. Sie ist eine zentrale Voraussetzung für verlässliche Daten, für GMP-Compliance und letztlich für die Patientensicherheit. Oder anders formuliert: Präzision braucht Kontrolle: deswegen müssen Laborgeräte qualifiziert werden!
Weiterlesen
Welche Rolle spielt die OQ innerhalb der Qualifizierung?

Welche Rolle spielt die OQ innerhalb der Qualifizierung?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
Swissmedic: Implementierung der EU-GMP-Durchführungsverordnungen für Tierarzneimittel

Swissmedic: Implementierung der EU-GMP-Durchführungsverordnungen für Tierarzneimittel

Die neuen EU-Durchführungsverordnungen zu den GMP-Anforderungen für Tierarzneimittel und Wirkstoffe für Tierarzneimittel werden in der Schweiz zum 16. Juli 2026 nicht automatisch in die Arzneimittel-Bewilligungsverordnung (AMBV) übernommen.

Weiterlesen
EU: Anhänge 4 und 5 aus dem EU-GMP-Leitfaden entfernt

EU: Anhänge 4 und 5 aus dem EU-GMP-Leitfaden entfernt

Nach Inkrafttreten der Durchführungsverordnungen (EU) 2025/2091 und (EU) 2025/2154 über die Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis (GMP) für Tierarzneimittel und für Wirkstoffe für Tierarzneimittel am 16. Juli 2026 hat die Europäische Kommission die Anhänge 4 und 5 aus dem EU-GMP-Leitfaden entfernt.
Weiterlesen
EU-Kommission: Version 22 der Q&As zu Sicherheitsmerkmalen veröffentlicht

EU-Kommission: Version 22 der Q&As zu Sicherheitsmerkmalen veröffentlicht

Die Europäische Kommission hat Version 22 ihrer Questions and Answers on Safety Features for Medicinal Products for Human Use veröffentlicht.
Weiterlesen
WHO: Finale Points to Consider zur kontinuierlichen Herstellung

WHO: Finale Points to Consider zur kontinuierlichen Herstellung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die finale Fassung ihrer Points to Consider in Continuous Manufacturing of Pharmaceutical Products veröffentlicht. Das Dokument soll Hersteller und Aufsichtsbehörden bei der Einführung und regulatorischen Bewertung kontinuierlicher Herstellungsverfahren unterstützen und ergänzt bestehende internationale Leitlinien, insbesondere ICH Q13.
Weiterlesen
EMA: Revision von Anhang 15 verzögert sich

EMA: Revision von Anhang 15 verzögert sich

Die EMA hatte im Februar 2026 ein Konzeptpapier zur Revision des Anhangs 15 des EU-GMP-Leitfadens „Qualifizierung und Validierung“ veröffentlicht (wir berichteten). Nun hat sie eine korrigierte Fassung publiziert, die einen deutlich angepassten Zeitplan enthält.
Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenMusterdokumenteMuster-SOPsMuster-Formulare Muster-ProtokolleMuster-DokumentationenChecklistenProzessdiagramme (Flowcharts) Praxisbeispiele zur Anwendung von QRM (z. B. Risikoanalysen) Beispieldokumente zur Qualifizierung und ValidierungFallbeispiele Alle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und BehördeEin Team aus über 80 Expert*innen interpretiert behördliche Anforderungen und beschreibt deren Umsetzung in die Praxis. Die Autor*innen greifen zurück auf langjährige Erfahrung in der pharmazeutischen Industrie, Beratung und Behörde.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
810,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden dem Online-Portal automatisch hinzugefügt. Alle Information dazu erhalten Sie über unseren Infoletter Insider. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Für die individuelle Bearbeitung steht jede SOP mit einem Klick zum Download zur Verfügung. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Umsetzungstipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potenzial für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als bearbeitbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen. Sie dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Kommentare und Umsetzungstipps unterstützen Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre Unternehmensabläufe. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.