Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
7 Fragenblöcke für SPS-Benutzeranforderungen

7 Fragenblöcke für SPS-Benutzeranforderungen

Ein Auszug aus dem GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung

9 Min. Lesezeit | von Petra Berlemann und Thomas Peither
Erschienen im LOGFILE Leitartikel 03/2023

Benutzeranforderung, User Requirements Specification, Lastenheft: Was ist das? Wie erstellt man solche Dokumente? Ist das alles dasselbe? Oder doch etwas ganz anderes?

Vielleicht überlegen Sie, wenn Sie diese Fragen lesen, auch ganz kurz, ob das wirklich alles das Gleiche ist. Und manche Fachexpert*innen sind sich auf einmal auch nicht mehr sicher. Wir spannen Sie nicht länger auf die Folter …

Kurz: Alle Ausdrücke beschreiben die Anforderungen an ein Produkt, zum Beispiel Software, aus Benutzersicht. Üblicherweise erstellt man sie bei einer Neuanschaffung oder Änderung an einem bestehenden System mit folgenden Inhalten:

  • Was muss diese Software können?
  • Was erwarte ich von ihr?
  • Welche Schnittstellen sind zu beachten?
  • Wer schreibt eine Benutzeranforderung?

Wir beschränken uns in diesem Beitrag auf speicherprogrammierbare Steuerungen, sogenannte SPS.

Die vier oben genannten Leitfragen sollte sich jeder bei der Erstellung einer Benutzeranforderung oder auch eines Lastenhefts stellen und beantworten.

Benutzeranforderung

Eine Benutzeranforderung wird von dem Personenkreis verfasst, der die Software oder das Computersystem benutzen wird.

Es werden die Anforderungen beschrieben und nicht die fertige Lösung. Die verschiedenen Anforderungen dürfen sich nicht widersprechen. Die Benutzeranforderungen können in tabellarischer Form oder in Fließtext beschrieben werden. Der Vorteil der tabellarischen Form ist die Übersichtlichkeit und die Zuordnung einer Nummer zu einer Benutzeranforderung. Die Traceability (Rückverfolgbarkeit) von Benutzeranforderungen ist dadurch gegeben. Nachteilig für die tabellarische Darstellung ist die kurze Beschreibung der Benutzeranforderungen.


Beispiel: Ich möchte ein Handschreibgerät mit dokumentenechter Tinte. Die Tinte muss blau sein, und das Handschreibgerät darf nicht mehr als 100 g wiegen, eine Gesamtlänge von max. 20 cm aufweisen und im Durchmesser ca. 15 mm stark sein.

Nicht: Ich möchte einen Kugelschreiber der Marke XYZ1, der blau schreibt. Das wäre bereits die Lösung.

Im Wissens- und Lernportal GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung wird an einem Beispiel aufgezeigt, wie eine Benutzeranforderung für eine SPS aussehen könnte.

Anhand von Leitfragen wird an einem Beispiel die Erarbeitung einer SPS-Benutzeranforderung erläutert. Wir geben Ihnen mit diesem Beitrag Einblick in die Struktur und Auszüge aus den über 50 Leitfragen.

Folgenden Bereiche und Themen bilden die Struktur einer Benutzeranforderung:

Projektbeschreibung

Zuerst startet man mit einer kurzen Projektbeschreibung. Die Benutzeranforderung wird im Normalfall an einen oder mehrere potenzielle(n) Lieferanten gesendet. So wissen sie, worum es geht, und können eine passende Lösung vorschlagen. 

Mögliche Leitfragen zu einer Projektbeschreibung könnten sein:

  • Was möchte ich meinem potenziellen Lieferanten mitteilen?
  • Um was geht es eigentlich im Projekt?
  • Wo ist der Ort, an dem die Software eingesetzt wird?

[…]


Regulatorische Anforderungen

Mögliche Leitfragen sind:

  • Welche Richtlinien, Gesetze und Vorschriften müssen eingehalten?
  • Welche Version ist verbindlich?
  • Welche nationalen, supranationalen und internationale Dokumente sollen mitgelten?

[…]


Human-Machine-Interface-Anforderungen

Bei den Human-Machine-Interface-Anforderungen (HMI-Anforderungen) handelt es sich um die Bedienerfreundlichkeit eines Computersystems/einer Software.

Mögliche Leitfragen sind:

  • Wie ist die Bedienung der Software/des Computersystems geregelt?
  • Ist die Bedienung intuitiv, oder muss eine Schulung des Lieferanten über mehrere Tage erfolgen?
  • Sind prozessrelevante und qualitätsrelevante Daten sofort wahrnehmbar, d. h. übersichtlich dargestellt?

[…]


Leistungsanforderungen/Funktionen

Mögliche Leitfragen sind:

  • Ist ein Audit-Trail vorhanden?
  • Sind die verschiedenen Benutzerrollen definiert und vorhanden? Was für Prozessoren sind im System verbaut, und welche Leistung haben diese?
  • Welche Prozessorleistung wird für eine mindestens 5-jährige Systemnutzung benötigt?
  • Wie wird das System installiert? (Via CD oder Internet-Download?)
  • Wie häufig wird das System verwendet? (24 h/7 d?)

[…]


Anforderungen an die Validierungsdokumentation

Mögliche Leitfragen und zu erstellenden Dokumente sind:

  • Welche Dokumente sind gemäß Validierungsmasterplan gefordert?
  • Welche Dokumente erstelle ich als Benutzer selbst, und welche kaufe ich vom Lieferanten ein?
  • Welche Tests werden benötigt, und welche Tests führt der Lieferant aus? (Beispielsweise: White Box Test = Entwickler testet die Software; Black Box Text = Operator testet die Software mit der Bedienoberfläche)
  • Risikoanalyse Softwareanforderungen
  • Traceability Matrix
  • Functional Specification (FS)
  • Hardware Design Specification (HDS)
  • Software Design Specification (SDS)
  • HMI Design Specification
  • Softwarevalidierungsmasterplan/Computer–System-Validierungsplan
  • Design Qualification (DQ) Plan-Test-Report
  • Installation Qualification (IQ) Plan-Test-Report

[…]


Schulung

Mögliche Leitfragen sind:

  • Wer soll geschult werden?
  • Wann sollen die Schulungen stattfinden?
  • Wer führt die Schulungen durch?

[…]


Arbeitssicherheit

Mögliche Leitfragen sind:

  • Gefährden die Neuanschaffung oder der Umbau Mensch, Maschine, Umwelt?
  • Wird der Prozess sicherer oder unsicherer?
  • Wird der Prozess in einer ATEX-Umgebung realisiert?

[…]


Fazit

Basierend auf solchen Leitfragen kann man detaillierte Benutzeranforderungen erstellen, die eine Erstellung von Folgedokumenten wie den Softwarequalitätsplan, Funktionale Spezifikation, Testplan und -bericht für die Anlagensteuerung deutlich erleichtert. Auch diese Schritte sind im GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung praxisnah beschrieben.


Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte schreiben Sie uns: redaktion@gmp-verlag.de

Petra Berlemann
Petra Berlemann

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

EU: Verstärkte Zusammenarbeit mit der WHO bei der Pandemievorsorge

EU: Verstärkte Zusammenarbeit mit der WHO bei der Pandemievorsorge

„Die öffentliche Gesundheit steht heute vor einer neuen Art von Herausforderung: Geschwindigkeit. Krankheiten breiten sich schneller und unvorhersehbarer aus denn je und überschreiten dabei Grenzen und Kontinente“, erklärte Hadja Lahbib, EU-Kommissarin für Gleichstellung, Katastrophenvorsorge und Krisenmanagement, anlässlich der Unterzeichnung einer EU4Health-Beitragsvereinbarung im Wert von über 4 Millionen Euro mit dem Zentrum für Pandemie- und Epidemieaufklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Berlin am 24.7.2026.

Weiterlesen
PIC/S: Überarbeitete Empfehlungen zu Qualifizierung und Validierung

PIC/S: Überarbeitete Empfehlungen zu Qualifizierung und Validierung

PIC/S hat die „Recommendations on Qualification and Validation“ (PI 006-4) grundlegend überarbeitet. Die neue Fassung wurde am 30. Juli 2026 veröffentlicht, tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft und ersetzt die Version von 2007. Das Dokument wuchs von 26 auf 49 Seiten.
Weiterlesen
Welche Rolle spielt die OQ innerhalb der Qualifizierung?

Welche Rolle spielt die OQ innerhalb der Qualifizierung?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
Präzision braucht Kontrolle: Qualifizierung von Laborgeräten

Präzision braucht Kontrolle: Qualifizierung von Laborgeräten

Im Alltag vertrauen wir Technik meist blind. Im Labor jedoch kann blindes Vertrauen zum Risiko werden: Fehlerhafte Messwerte können zu falschen Qualitätsentscheidungen führen - im schlimmsten Fall sogar zu fehlerhaften Produktfreigaben. Deshalb ist die Qualifizierung von Laborgeräten weit mehr als eine formale Pflichtübung. Sie ist eine zentrale Voraussetzung für verlässliche Daten, für GMP-Compliance und letztlich für die Patientensicherheit. Oder anders formuliert: Präzision braucht Kontrolle: deswegen müssen Laborgeräte qualifiziert werden!
Weiterlesen
Swissmedic: Implementierung der EU-GMP-Durchführungsverordnungen für Tierarzneimittel

Swissmedic: Implementierung der EU-GMP-Durchführungsverordnungen für Tierarzneimittel

Die neuen EU-Durchführungsverordnungen zu den GMP-Anforderungen für Tierarzneimittel und Wirkstoffe für Tierarzneimittel werden in der Schweiz zum 16. Juli 2026 nicht automatisch in die Arzneimittel-Bewilligungsverordnung (AMBV) übernommen.

Weiterlesen
EU: Anhänge 4 und 5 aus dem EU-GMP-Leitfaden entfernt

EU: Anhänge 4 und 5 aus dem EU-GMP-Leitfaden entfernt

Nach Inkrafttreten der Durchführungsverordnungen (EU) 2025/2091 und (EU) 2025/2154 über die Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis (GMP) für Tierarzneimittel und für Wirkstoffe für Tierarzneimittel am 16. Juli 2026 hat die Europäische Kommission die Anhänge 4 und 5 aus dem EU-GMP-Leitfaden entfernt.
Weiterlesen
EU-Kommission: Version 22 der Q&As zu Sicherheitsmerkmalen veröffentlicht

EU-Kommission: Version 22 der Q&As zu Sicherheitsmerkmalen veröffentlicht

Die Europäische Kommission hat Version 22 ihrer Questions and Answers on Safety Features for Medicinal Products for Human Use veröffentlicht.
Weiterlesen
WHO: Finale Points to Consider zur kontinuierlichen Herstellung

WHO: Finale Points to Consider zur kontinuierlichen Herstellung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die finale Fassung ihrer Points to Consider in Continuous Manufacturing of Pharmaceutical Products veröffentlicht. Das Dokument soll Hersteller und Aufsichtsbehörden bei der Einführung und regulatorischen Bewertung kontinuierlicher Herstellungsverfahren unterstützen und ergänzt bestehende internationale Leitlinien, insbesondere ICH Q13.
Weiterlesen
EMA: Revision von Anhang 15 verzögert sich

EMA: Revision von Anhang 15 verzögert sich

Die EMA hatte im Februar 2026 ein Konzeptpapier zur Revision des Anhangs 15 des EU-GMP-Leitfadens „Qualifizierung und Validierung“ veröffentlicht (wir berichteten). Nun hat sie eine korrigierte Fassung publiziert, die einen deutlich angepassten Zeitplan enthält.
Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenMusterdokumenteMuster-SOPsMuster-Formulare Muster-ProtokolleMuster-DokumentationenChecklistenProzessdiagramme (Flowcharts) Praxisbeispiele zur Anwendung von QRM (z. B. Risikoanalysen) Beispieldokumente zur Qualifizierung und ValidierungFallbeispiele Alle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und BehördeEin Team aus über 80 Expert*innen interpretiert behördliche Anforderungen und beschreibt deren Umsetzung in die Praxis. Die Autor*innen greifen zurück auf langjährige Erfahrung in der pharmazeutischen Industrie, Beratung und Behörde.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
810,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden dem Online-Portal automatisch hinzugefügt. Alle Information dazu erhalten Sie über unseren Infoletter Insider. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Für die individuelle Bearbeitung steht jede SOP mit einem Klick zum Download zur Verfügung. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Umsetzungstipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potenzial für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als bearbeitbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen. Sie dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Kommentare und Umsetzungstipps unterstützen Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre Unternehmensabläufe. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.