Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Ausschaltung von Störfaktoren beim Bakterien-Endotoxin-Test (BET)

Ausschaltung von Störfaktoren beim Bakterien-Endotoxin-Test (BET)

Auszug aus dem GMP-BERATER, Kapitel 12.H.6. - Kapitel 12.H.8

4 Min. Lesezeit | von Dr. Michael Rieth
Erschienen im LOGFILE Leitartikel 27/2021

Der empfindliche BET wird durch eine Reihe von Substanzen gestört bzw. beeinflusst. So können sowohl falsch-positive als auch falsch-negative Ergebnisse ermittelt werden.

Zu den Rohstoffen, die im Test interferieren, gehören unter anderem Salze mit zweiwertigen Kationen, Chelatbildner, Säuren, Antibiotika und Alkohole.

Beispielsweise rufen N-Methylglucamin, Lecithin und Detergenzien ein Enhancement (= Verstärkung) hervor.

Die Chelatbildner EDTA, EGTA, Heparin und Citrat und das Biozid m-Cresol wirken stark inhibitorisch.

Auch kann das Lysat durch Nicht-Endotoxin-Substanzen wie ß-1,3-D-Glucane, Trypsin, Chymotrypsin, Metronizadol und die Aminosäuren Threonin und Prolin aktiviert werden, sodass es zu falsch-positiven Reaktionen kommt.

Übliche Verfahren zur Ausschaltung der Störfaktoren sind

  • Neutralisation
  • Pufferung
  • Verdünnung, maximal bis MVD
  • Ultrafiltration, cut-off der UF-Membran: max. 20000 Dalton
  • Dialyse
  • Zentrifugation
  • Hitzebehandlung
  • Zugabe von Substanzen, die adsorbierte Endotoxine verdrängen

Wird die Ultrafiltration angewandt, empfiehlt Ph. Eur. asymmetrische Cellulosetriacetat-Membranen und rät von Polysulphon-Membranen ab. Der Filtereinsatz muss validiert werden, weil die Gefahr besteht, dass Cellulosederivate (ß-1,3-D-Glucane) abgegeben werden.

Durch Hitzebehandlung, z. B. 10 min bei 70°C, werden Serin-Protease-Inhibitoren in Plasma- und Seren-Proben inaktiviert. In der Laborpraxis haben Neutralisieren, Puffern oder Verdünnen die besten Erfolgsaussichten. Verwendet werden 0,1 M Kaliumphosphatpuffer pH 6,8 bis 7,0 und Tris-Puffer im Bereich 0,05 M bis 1 M, gegebenenfalls mit einem Zusatz von 0,5 M Magnesiumsulfat. Stark saure Proben können mit einer 0,2%igen Natriumacetatpuffer-Lösung pH 12 neutralisiert werden.

Die Verwendung des Lysats eines anderen Herstellers oder der Wechsel zu einer anderen Methode kann ebenfalls erfolgreich sein. So ist die chromogene Endpunktbestimmung weniger empfindlich gegenüber Interferenzen als die übrigen Methoden. Die turbidimetrische und die chromogene Methode liefern quantitative Ergebnisse bei hoher Empfindlichkeit, sodass geringe Endotoxinaktivitäten nachweisbar sind.

Abbildung 12.H-9 Störungen und Beeinflussungen der Reaktionen in der Gelbildungskaskade


Maskierung/Demaskierung

Das Phänomen der Maskierung von Endotoxinen führt zu falsch-negativen oder zu viel zu niedrigen Ergebnissen (Wiederfindung reproduzierbar kleiner als 50%). Die Endotoxine werden durch Interaktion mit bestimmten Substanzen verdeckt.

Petsch al. al. publizierten 1998 einen Artikel in der Fachzeitschrift Analytical Biochemistry zu diesem Phänomen1. Sie beschrieben, dass kationische Peptide und Proteine an die Endotoxine binden und somit die Reaktion mit dem Lysat erschweren. Im Test werden somit zu niedrige Endotoxin-Einheiten detektiert. Daher spricht man hier auch von “low endotoxin recovery – LER”. Dieser LER-Effekt tritt insbesondere dann auf, wenn in der Probe neben Tensiden wie Polysorbaten und Triton auch Phosphatsalze als Hilfsstoffe neben dem Wirkstoff enthalten sind. Chelatbildner wie Citrat, EDTA, EGTA sowie Substanzen wie Lecithin, die Liposomen bilden können, sind weitere Verursacher für den LER-Effekt. Da der Prozess der Maskierung reversibel ist, können verschiedene Verfahren zur Demaskierung versucht werden. So lässt sich der Maskierungskomplex mittels chaotroper Substanzen destabilisieren. Ein Demasking-Kit mit Namen Endo-RS® ist auf dem Markt.


Out of specification (OOS)

Die Vorgehensweise nach Auftreten eines OOS-Falls sollte in einer SOP beschrieben sein. OOS-Fälle müssen innerhalb einer definierten Zeit, z. B. 20 Arbeitstage, abgeschlossen sein. Das OOS-Verfahren wird angestoßen, wenn die Ursache für das außerhalb der Spezifikation liegende Ergebnis nicht unmittelbar als Analysen- oder Gerätefehler bzw. technische Störung erkannt wird. Der Laborleiter erstellt vor Beginn weiterer Untersuchungen einen Prüfplan und legt, wenn möglich, die Akzeptanzkriterien fest. Ein Nachmusterzug soll nur dann geschehen, wenn der Verdacht besteht, dass das Originalmuster nicht repräsentativ oder inhomogen ist, oder wenn es aufgebraucht wurde. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, dass die Nachanalyse durch einen anderen Laboranten ausgeführt wird.

Die Wiederholungsprüfung soll so angelegt sein, dass das Ergebnis mehr Gewicht als das der Originalanalyse hat. Dazu kann z. B. ein Muster einer bereits erfolgreich geprüften Charge parallel untersucht werden. In der SOP muss auch festgelegt sein, ob ein statistischer Ausreißertest zugelassen wird.

Mögliche Ursachen für Ausreißer sind:

  • Ablesefehler
  • Fehler bei der Messwertübertragung
  • Verwechslungen
  • Beschädigung des Messobjekts

Als Ausreißertests kommen der Grubbs-Test (wenn 1 Messwert verdächtig ist, siehe DIN 32645 und 38402) oder graphische Verfahren wie Box-Plot (siehe dazu Statistik-Software wie Minitab 15®) zur Anwendung.

Ursachen für OOS-Fälle:

  1. Probe beim Musterzug/-transport kontaminiert
  2. Laborkontamination (Sekundärkontamination)
  3. Probe ist tatsächlich Endotoxin-belastet („Endoburden“)
  4. falsch positiv durch ß-1,3-D-Glucane, Trypsin, Chymotrypsin o. a.

Zu 1) Probennehmer oder Probengefäß nicht Endotoxin-frei (hitzebeständige Geräte und Gefäße aus Glas oder Metall werden gemäß Ph. Eur. – Kapitel 2.6.14 im Heissluftsterilisator nach einem validierten Verfahren bei mindestens 250°C und einer Dauer von mindestens 30 min entpyrogenisiert). Eine weitere Ursache für eine Endotoxin-Kontamination kann die Probennahme in feuchter Umgebung, z. B. nach einer Reinigung, sein. Beim Probentransport können Kontaminationen passieren, wenn das Probengefäß beschädigt wird oder wenn es nicht richtig verschlossen ist.

Zu 2) Indizien für eine Laborkontamination sind die positiv ausgefallene Negativkontrolle und ungewöhnlich hohe Endotoxinwerte in allen oder nahezu allen Proben.

Zu 3) Natürlich kann die Probe auch tatsächlich mit Endotoxinen kontaminiert sein. Daran ist vor allem zu denken, wenn die zu prüfende Substanz aus natürlichem Material (tierischer, pflanzlicher oder mineralischer Ursprung) gewonnen wurde.

Zu 4) Serinproteasen wie Trypsin und Chymotrypsin können in die Aktivierungskaskade eingreifen und so ein falsch-positives Ergebnis vortäuschen. ß-1,3-D-Glucane aktivieren den Faktor G-Weg, was zu einer Gelierung oder Trübung führt.


 


Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte schreiben Sie uns: redaktion@gmp-verlag.de

Dr. Michael Rieth
Dr. Michael Rieth

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

FDA: Draft Guidance zu Verunreinigungsspezifikationen für Antibiotika

FDA: Draft Guidance zu Verunreinigungsspezifikationen für Antibiotika

Die US FDA hat im April 2026 einen neuen Draft Guidance zu Impurity Specifications for Antibiotics veröffentlicht.

Weiterlesen
EDQM: Leitlinien zur Rückverfolgbarkeit von Arzneimitteln im Krankenhaus

EDQM: Leitlinien zur Rückverfolgbarkeit von Arzneimitteln im Krankenhaus

Die EDQM hat neue Leitlinien zur Rückverfolgbarkeit von Arzneimitteln im Krankenhaus veröffentlicht. Ziel ist es, die Nachverfolgbarkeit bis zum Zeitpunkt der Verabreichung zu verbessern und damit die Patientensicherheit zu erhöhen.
Weiterlesen
Welche Anforderungen an die Gesundheitsüberwachung gibt es?

Welche Anforderungen an die Gesundheitsüberwachung gibt es?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
Die Kontaminationskontrollstrategie (CCS) – mehr als nur ein erweiterter Site Master File

Die Kontaminationskontrollstrategie (CCS) – mehr als nur ein erweiterter Site Master File

Der GMP-PharmaCongress 2026 fand vom 24. bis 25. März 2026 in Wiesbaden statt. Die Veranstaltung bot acht parallele Konferenzreihen zu hochaktuellen GMP-Themen, darunter aseptische Herstellung, Barrieresysteme, Digitalisierung und künstliche Intelligenz sowie Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMPs).
Weiterlesen
EMA/HMA: Anpassung der Regulierung für Radiopharmazeutika

EMA/HMA: Anpassung der Regulierung für Radiopharmazeutika

EMA und HMA empfehlen Anpassungen des regulatorischen Rahmens, um mit den Entwicklungen im Bereich der Radiopharmazeutika Schritt zu halten. Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften erfordern diese Arzneimittel spezifische regulatorische und wissenschaftliche Vorgaben.
Weiterlesen
FDA: "PreCheck Pilot Program" zur Stärkung der US-Arzneimittelproduktion

FDA: "PreCheck Pilot Program" zur Stärkung der US-Arzneimittelproduktion

Die U.S. Food and Drug Administration hat das „PreCheck Pilot Program“ gestartet, um die inländische Arzneimittelproduktion zu stärken und die Resilienz der Lieferkette zu erhöhen.
Weiterlesen
GMP für Tierarzneimittel: Das ändert sich ab Juli 2026

GMP für Tierarzneimittel: Das ändert sich ab Juli 2026

Mit der den Durchführungsverordnungen (EU) 2025/2091 und 2025/2154 werden die GMP-Anforderungen für Tierarzneimittel konsolidiert. Sie schaffen erstmals einen eigenständigen, verbindlichen Rechtsrahmen für den Veterinärbereich, bleiben jedoch inhaltlich eng an den EU-GMP-Leitfaden angelehnt.
Weiterlesen
Wie kann man die Eignung von Räumen überprüfen?

Wie kann man die Eignung von Räumen überprüfen?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
ICH: Überarbeitetes Q9(R1)-Trainingspaket

ICH: Überarbeitetes Q9(R1)-Trainingspaket

Die ICH hat das Q9(R1)-Trainingspaket vollständig überarbeitet und an die Revision der Leitlinie ICH Q9 angepasst.
Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit über 600 Arbeitshilfen, Checklisten, Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenAlle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und Behörde

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
810,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden Ihrer Sammlung automatisch hinzugefügt. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Einfach klicken, schon steht Ihre SOP zur Verfügung.Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Tipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potential für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als editierbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen an die Herstellung von Arzneimitteln und dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Mit zahlreichen erklärenden Hinweisen und nützlichen Tipps, die Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre konkreten Unternehmensabläufe unterstützen. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.