Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Das Maß aller GMP-Dinge: der EU-GMP-Leitfaden

Das Maß aller GMP-Dinge: der EU-GMP-Leitfaden

10 Min. Lesezeit | von Dr. Sabine Paris
Erschienen im LOGFILE Leitartikel 23/2020

Die Anforderungen an die Herstellung, die Prüfung, die Einfuhr, den Vertrieb und die Zulassung von Arzneimitteln sind in der EU weitgehend durch Richtlinien, Verordnungen und technische Leitlinien harmonisiert.

Diese Regelungen werden in allen 27 europäischen Mitgliedstaaten durch nationales Recht umgesetzt.  Detaillierte Anforderungen an die Herstellung und Prüfung von Arzneimitteln enthält der von der Europäischen Kommission (EC) veröffentlichte Leitfaden für die Gute Herstellungspraxis für Arzneimittel und Prüfpräparate (EU-GMP-Leitfaden). Dieser ist für die pharmazeutische Industrie verbindlich und seine Einhaltung wird von den zuständigen Behörden überwacht.

In Deutschland ist die Anwendung der Guten Herstellungspraxis bei der Herstellung von Arzneimitteln und Wirkstoffen in der Arzneimittel- und Wirkstoffherstellungsverordnung (AMWHV) geregelt. In § 2 Nummer 3 der AMWHV ist der EU-GMP-Leitfaden verankert und definiert. Das Bundesministerium für Gesundheit macht die jeweils aktuelle Fassung des Leitfadens in deutscher Sprache im Bundesanzeiger bekannt.


Wer übernimmt die deutsche Übersetzung?

Für Sie ein kleines Detail, für uns jedoch mehr als eine Randnotiz: Seit 2017 stellt die GMP-Verlag Peither AG dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die deutschen Übersetzungen der Dokumente des EU-GMP-Leitfadens zur Verfügung und ist in die amtliche Übersetzung eingebunden.

Der EU-GMP-Leitfaden besteht aus vier Teilen und 18 Anhängen:

Teil I befasst sich mit der Herstellung, Prüfung und Verpackung von Arzneimitteln, einschließlich Lagerhaltung, Einkauf, Personal, Räumlichkeiten und Ausrüstung, Dokumentation, Selbstinspektion, Herstellung und Prüfung im Lohnauftrag, Beanstandungen und Produktrückruf.

Teil II regelt dieselben Themen für Wirkstoffe. Außerdem gibt es hier spezielle Vorschriften für den Handel mit Wirkstoffen

Teil III enthält Empfehlungen (Best-Practice-Dokumente), wie Site Master File, Qualitätsmanagementsysteme und Risikomanagement im pharmazeutischen Umfeld gestaltet sein sollten.

Teil IV beinhaltet die Anforderungen an die Gute Herstellungspraxis von Arzneimitteln für neuartige Therapien.

Die Anhänge befassen sich mit

  • speziellen Produkten: z. B. sterile Arzneimittel, biologische Arzneimittel, medizinische Gase, Tierarzneimittel, pflanzliche Arzneimittel, Blutprodukte, Radiopharmaka und klinische Prüfpräparate
  • speziellen Themen: z. B. Probenahme von Ausgangsstoffen und Verpackungsmaterial, Computergestützte Systeme, Qualifizierung, Validierung und Marktfreigabe.


Wie kommen Neuerungen in den EU-GMP-Leitfaden?

Die Schlüsselstellung nimmt die bei der European Medicines Agency (EMA) angesiedelte GMP/GDP Inspectors Working Group (GMDP IWG) ein. Deren Mitglieder sind Vertreter der GMP-Überwachungsbehörden der EWR-Staaten. Die Gruppe trifft sich vier Mal im Jahr bei der EMA in Amsterdam und befasst sich u.a. mit der Aktualisierung des GMP-Leitfadens.

Die GMP/GDP IWG hat das Initiativrecht zur Überarbeitung des GMP-Leitfadens. Auslöser für die Revision können z. B. ein Vorschlag aus der IWG selbst, eine Anforderung der Europäischen Kommission (z. B. zur Umsetzung von Richtlinien) oder auch Anregungen der pharmazeutischen Industrie sein.

Innerhalb der IWG wird als erster Schritt ein Rapporteur bestimmt, der die Koordinierung übernimmt und zumeist auch die ersten Texte verfasst. Neben dem Rapporteur werden weitere Mitglieder (je nach Umfang der Revision ca. zwischen 2 und 6) der sogenannten "Drafting Group" festgelegt. Die Drafting Group verfasst gemeinsam das neue/aktualisierte Dokument (zumeist per Mailaustausch oder auch in Face-to-Face-Meetings).

Bevor die tatsächliche Revision startet, verfasst die Drafting Group zunächst ein "Concept Paper". Darüber wird innerhalb der GMP/GDP IWG abgestimmt. Im Anschluss wird das Paper von der Europäischen Kommission (EC) zur 3-monatigen öffentlichen Konsultation publiziert. Das Concept Paper hat einen festgelegten Aufbau und dient dazu, die Gründe für den Revisionsvorschlag darzulegen und gleich auch mögliche Inhalte anzureißen. Die interessierte Öffentlichkeit hat dabei die Möglichkeit, ihre Anregungen und/oder Bedenken mitzuteilen. Diese werden von der Drafting Group im Rahmen der Ausarbeitung der zu überarbeitenden Dokumente berücksichtigt.


Die ersten Entwürfe der Texte werden von der Drafting Group innerhalb der GMP/GDP IWG diskutiert und abgestimmt. Nach Zustimmung durch die IWG wird der Entwurf der Europäischen Kommission (EC) zugeleitet, die diesen zur Konsultation veröffentlicht (zumeist für 3 Monate). Die gesammelten Kommentare werden von der Kommission veröffentlicht und vom Rapporteur gesichtet und bei der weiteren Bearbeitung berücksichtigt oder mit Begründung auch nicht berücksichtigt. Ein Beispiel für eine aktuelle öffentliche Konsultation ist der Entwurf des Annex 21 zum Import von Arzneimitteln, die noch bis zum 20. August 2020 läuft.

(https://ec.europa.eu/health/medicinal_products/consultations/importation_medicinalproducts_en)

Die nächste Version des Dokuments wird wiederum in der IWG abgestimmt und der Kommission zugeleitet. Bei sehr umfangreichen Änderungen kann sich unter Umständen eine nochmalige Konsultation anschließen. Die Kommission prüft noch einmal abschließend auf rechtliche Aspekte (und manchmal auch auf politische). Danach wird es von der Kommission auf deren Website unter EudraLex - Volume 4 Good manufacturing practice (GMP) Guidelines veröffentlicht.


 


Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte schreiben Sie uns: redaktion@gmp-verlag.de

Dr. Sabine Paris
Dr. Sabine Paris

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

Deutschland: Änderungen im Tierarzneimittelgesetz

Deutschland: Änderungen im Tierarzneimittelgesetz

Mit dem Gesetz zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes, des Tierarzneimittelgesetzes und des tiergesundheitsrechtlichen Bußgeldgesetzes wurden mehrere Vorschriften des Tierarzneimittelgesetzes (TAMG) angepasst. Die Änderungen gelten seit 10. März 2026.
Weiterlesen
FDA: Entwurf zur Beantwortung von Formular-483-Beobachtungen

FDA: Entwurf zur Beantwortung von Formular-483-Beobachtungen

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen Entwurf einer Leitlinie zur Beantwortung von Formular-FDA-483-Beobachtungen nach GMP-Inspektionen veröffentlicht. Das Dokument beschreibt, wie Hersteller Inspektionsbefunde strukturiert adressieren sollten und welche Informationen eine Antwort enthalten sollte.
Weiterlesen
Durch welche Maßnahmen können Kreuzkontaminationen vermieden werden?

Durch welche Maßnahmen können Kreuzkontaminationen vermieden werden?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
GMP trifft Strahlenschutz – wie geht das zusammen?

GMP trifft Strahlenschutz – wie geht das zusammen?

Die Herstellung von Radiopharmazeutika erfordert die gleichzeitige Einhaltung von EU-GMP-Leitfaden und Strahlenschutzverordnung, was zu Zielkonflikten zwischen Produktsicherheit und Personenschutz führen kann. Technische Lösungen wie Unterdrucksysteme und Bleizellen sowie eine frühzeitige Behördenabstimmung sind entscheidend für eine GMP- und strahlenschutzkonforme Umsetzung.
Weiterlesen
Team-NB: Chancen und Risiken der MDR/IVDR-Revision

Team-NB: Chancen und Risiken der MDR/IVDR-Revision

Der europäische Verband der Benannten Stellen für Medizinprodukte, Team-NB, sieht in der geplanten Revision der MDR und IVDR grundsätzlich Chancen für mehr Effizienz, Transparenz und Vorhersehbarkeit im Konformitätsbewertungsverfahren.
Weiterlesen
EMA: Aktualisierte Fragen und Antworten zu OOS-ATMP-Chargen

EMA: Aktualisierte Fragen und Antworten zu OOS-ATMP-Chargen

Die EMA hat ihre Fragen und Antworten zum Umgang mit Out-of-Specification (OOS)-Batches zugelassener zell- bzw. gewebe-basierter ATMPs überarbeitet (“Questions and answers on the use of out-of-specification batches of authorised cell/tissue-based ATMPs”, Rev. 1, 2026). Die Revision präzisiert stärker, unter welchen außergewöhnlichen Umständen ein OOS-Batch verwendet werden darf.
Weiterlesen
EMA: Neue Q&A zu Mischungen aus Wirkstoffen und Hilfsstoffen

EMA: Neue Q&A zu Mischungen aus Wirkstoffen und Hilfsstoffen

Neue Fragen und Antworten zur Qualität von Arzneimitteln erläutern den regulatorischen Umgang mit Mischungen aus Wirkstoffen und Hilfsstoffen („API Mix“). Eine solche Mischung wird als Kombination eines Wirkstoffs mit einem oder mehreren Hilfsstoffen definiert und gilt als erster Herstellungsschritt des Fertigarzneimittels.

Weiterlesen
EMA: GMP-Dokumentation für die Sterilisation eines Wirkstoffs

EMA: GMP-Dokumentation für die Sterilisation eines Wirkstoffs

Die EMA Fragen-und-Antworten zur Qualität von Arzneimitteln wurden ergänzt um folgende Frage: Welche GMP-Dokumentation wird für einen Wirkstoffhersteller benötigt, der die Sterilisation eines Wirkstoffs durchführt?

Weiterlesen
EMA: Neue Guideline zu Elementarverunreinigungen in Tierarzneimitteln

EMA: Neue Guideline zu Elementarverunreinigungen in Tierarzneimitteln

Die EMA hat die neue Guideline on risk management requirements for elemental impurities in veterinary medicinal products (EMA/CVMP/426245/2023) veröffentlicht. Sie wurde entwickelt, um die bisherigen Dokumente zur Risikobewertung und zum Umgang mit Elementarverunreinigungen in Tierarzneimitteln in ein einheitliches, klar strukturiertes Guideline-Format zu überführen.
Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit über 600 Arbeitshilfen, Checklisten, Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenAlle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und Behörde

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
EU-GMP-Leitfaden Teil I

EU-GMP-Leitfaden Teil I

Auszug aus dem GMP-BERATER Arzneimittelqualität ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis sorgfältig geplanter und durchgeführter Prozesse. Der EU-GMP-Leitfaden legt für Deutschland, die Schweiz und alle EU-Mitgliedsstaaten allgemein gültige GMP-Grundsätze für die Herstellung von Arzneimitteln fest. Wer in diesen Ländern Arzneimittel herstellt oder dorthin importiert, muss die darin enthaltenen Forderungen genau kennen und konsequent einhalten. In kompakter und zweisprachiger Form enthält dieser Band den vollständigen Teil I des EU-GMP-Leitfadens: Kapitel 1 Pharmazeutisches Qualitätssystem Kapitel 2 Personal Kapitel 3 Räumlichkeiten und Ausrüstung Kapitel 4 Dokumentation Kapitel 5 Produktion Kapitel 6 Qualitätskontrolle Kapitel 7 Ausgelagerte Tätigkeiten Kapitel 8 Beanstandungen, Qualitätsmängel und Produktrückrufe Kapitel 9 Selbstinspektion englisch/deutsch mit Stichwortverzeichnis

Sofort versandfertig, Lieferung unmittelbar nach Zahlungseingang
29,90 € netto zzgl. MwSt.
EU-GMP-Leitfaden Teil II

EU-GMP-Leitfaden Teil II

Auszug aus dem GMP-BERATERDie europäische Richtlinie (2004/27/EG bzw. 2004/28/EG) verpflichtet die Hersteller von Arzneimitteln zum Einsatz von Wirkstoffen, deren Ausgangsstoffe analog der Guten Herstellungspraxis gefertigt wurden. Der EU-GMP-Leitfaden Teil II „Mindestanforderungen für Wirkstoffe, die als Arzneimittel eingesetzt werden“ konkretisiert diese Richtlinie und legt Grundsätze und Anforderungen fest. Inhaltlich ist der EU-GMP-Leitfaden Teil II mit dem international gültigen ICH Q7-Dokument identisch und auch die Prinzipien der ICH Q9-Leitlinie zum Qualitätsrisikomanagement wurden integriert. Somit ist der Leitfaden unverzichtbar für Wirkstoffhersteller und Arzneimittelhersteller, die die Qualität der eingesetzten Wirkstoffe garantieren müssen. Aus dem Inhalt: Qualitätsmanagement Laborkontrollen Dokumentation und Protokolle Materialmanagement Validierung Produktion deutsch/englisch mit Stichwortverzeichnis

Sofort versandfertig, Lieferung unmittelbar nach Zahlungseingang
29,90 € netto zzgl. MwSt.