Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
GMP-Compliance: proaktiv statt reaktiv

GMP-Compliance: proaktiv statt reaktiv

Auszug aus der 47. Episode aus unserem Webcast GMP & TEA

5 Min. Lesezeit | von Dr. Sabine Paris,
Erschienen im LOGFILE Leitartikel 22/2024

Der Titel der 47. Episode des GMP & Tea Webcasts lautet: "Non-Compliance: Schreckgespenst oder Chance zur Verbesserung? Vom Umgang mit Inspektionsberichten".

In dieser Episode gehe ich auf folgende Fragen ein:

Welche Kriterien müssen Inspektionsberichte bzw. Antwortschreiben erfüllen? Wie verschafft man sich einen Überblick über die GMP-Compliance im eigenen Unternehmen? Und wie gestaltet man ein effizientes proaktives Compliance-System?

In diesem Auszug aus dem Webcast gehe ich näher auf die letzte Frage und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung einer proaktiven Compliance ein.

Voraussetzungen für eine proaktive GMP-Compliance

Es fällt den Mitarbeitenden oft schwer, sich ein proaktives Compliance-Modell vorzustellen. Viele betrachten die Compliance als ein Audit-Programm, bei dem in GMP geschulte Personen an einen Standort gehen, eine Woche lang die Prozesse und Verfahren prüfen und dann den Compliance-Status bestimmen.

Der Betrieb reagiert auf die Ergebnisse und verpflichtet sich zu Verbesserungen. Dieses Modell ist nur von begrenztem Nutzen und auch nicht mehr zeitgemäß.

Ein Unternehmen mit einem proaktiven Compliance-Programm hat einen Prozess entwickelt, in den die Bereiche Herstellung, Qualitätssicherung, Forschung & Entwicklung sowie Regulatory Compliance und Zulassung einbezogen sind.

Ein proaktives Compliance-System sollte.

alle Teile der Organisation einbeziehen, die für die Herstellung eines Qualitätsprodukts relevant sind, potenzielle Compliance- und Qualitätsprobleme erkennen, eine Auditfunktion haben, aussagekräftige Berichte und Daten zur Verfügung stellen, um sicherzustellen, dass die Ressourcen korrekt zugewiesen werden, aus allen Teilen der Organisation unterstützt und  in das Inspektions-Managementteam eingebunden werden.

Auch in diesem Zusammenhang spielt die Geschäftsleitung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Sie muss in der gesamten Organisation eine Kultur der proaktiven Compliance einführen und entsprechende Ressourcen investieren. Dies ist allerdings oft eine Schwäche in Organisationen. Bedenkenträger machen sich nur selten beliebt.

Auf den ersten Blick mag es sehr kostspielig erscheinen, ein System zu unterhalten, das auf Bedenken reagiert, bevor sie zu Problemen werden.

In einer segregierten Organisation, in der Qualitätsabteilungen und Herstellung nicht als Partner zusammenarbeiten, spüren nicht alle die budgetäre Belastung von Non-Compliances oder gar den Druck der Überwachungsbehörden.

Schließlich muss die Unternehmensleitung das gesamte proaktive Compliance-System, insbesondere aber Audits und Auditfeststellungen, zur Verbesserung der Betriebsabläufe nutzen und nicht, um das Personal vor Ort zu bestrafen. Das würde den gesamten internen Auditprozess sabotieren. Eine „Gotcha-Mentalität“, die auf die Fehler der Mitarbeitenden lauert, kann selbst das beste proaktive Programm zunichtemachen.

Ferner ist ein robustes Schulungssystem wichtig für die am Prozess Beteiligten. Der Prozess und insbesondere die Verfahren zur Risikoidentifizierung und Risikoeinstufung müssen so gut definiert und konsistent wie möglich sind. Das ist nur möglich, wenn die Teams konstant bleiben, das heißt, es nehmen möglichst immer die gleichen Personen teil, und das Schulungssystem ist effektiv angelegt..

Die Identifizierung von Problemen ist der kritischste Teil des Prozesses und erfordert ein Team mit guten Betriebs- und GMP-Kenntnissen. Alle Herstellungs- und Qualitätsbereiche sollten vertreten sein und bewertet werden.

Ein Compliance-System wird bei der Verbesserung der Betriebsabläufe nur so effektiv sein wie die Bemühungen, Lücken zu schließen. Daher ist es wichtig, dass die wirklichen Ursachen ermittelt und Maßnahmen ergriffen werden, um die zugrunde liegende Krankheit zu beheben, nicht die Symptome. Einzelne Maßnahmen müssen zugewiesen, Fälligkeitsdaten festgelegt und die verantwortliche Person für jede Maßnahme bestimmt werden. Im Anschluss an die Korrekturmaßnahmen sollte das Restrisiko bewertet und etwaige zusätzliche Folgemaßnahmen durch Risikobewertung neu priorisiert werden.

Als Teil des Qualitätssystems sollte die Geschäftsleitung, einschließlich der Leitungen der Qualitätssicherung, Regulatory Compliance und Herstellung, den Status ihrer Standorte auf die Erfüllung der aktuellen GMP-Anforderungen hin überprüfen.

Fazit

Compliance-Programme etablieren robuste, konforme Betriebe, die sich durch die Reduzierung von Fehlern und Schwankungen kontinuierlich verbessern. Dies stellt nicht nur sicher, dass man qualitativ hochwertige Arzneimittel erhält, sondern auch dass Überwachungsbehörden darauf vertrauen können, dass der Betrieb das Richtige tut.


Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte schreiben Sie uns: redaktion@gmp-verlag.de

Dr. Sabine Paris
Dr. Sabine Paris

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

Swissmedic aktualisiert Wegleitung zur GMP-Konformität ausländischer Hersteller

Swissmedic aktualisiert Wegleitung zur GMP-Konformität ausländischer Hersteller

Swissmedic hat die Wegleitung „GMP-Konformität ausländischer Hersteller“ erneut überarbeitet. Die neue Version 7.0 ist seit dem 7. September 2026 gültig. Sie enthält insbesondere neue Regelungen zum Nachweis der GMP-Konformität von Herstellern, die von der US FDA inspiziert wurden.
Weiterlesen
Swissmedic aktualisiert Technische Interpretation zur Zusammenarbeit mit Pre-Wholesalern

Swissmedic aktualisiert Technische Interpretation zur Zusammenarbeit mit Pre-Wholesalern

Swissmedic hat die Technische Interpretation “Market release and distribution in cooperation with a pre-wholesaler” überarbeitet. Das Dokument regelt die Marktfreigabe und Distribution bei der Zusammenarbeit eines Zulassungsinhabers mit einem Pre-Wholesaler (Logistik- und Distributionsdienstleister).
Weiterlesen
News: Europa

IPEC aktualisiert zwei Leitfäden zu pharmazeutischen Hilfsstoffen

Die IPEC Federation hat zwei zentrale Leitfäden zu pharmazeutischen Hilfsstoffen aktualisiert. Der IPEC Composition Guide for Pharmaceutical Excipients (Version 3, 2026) beschreibt, wie Hersteller Zusammensetzungsprofile für Hilfsstoffe erstellen können.
Weiterlesen
Frage der Woche | GMP-Verlag

Warum ist die Planung des Inbetriebnahmezeitpunkts im Qualifizierungsprozess entscheidend?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
Versorgungstechnik für Pharma-Reinräume – ein Praxisleitfaden

Versorgungstechnik für Pharma-Reinräume – ein Praxisleitfaden

Historisch gewachsene Planungsansätze bestimmen bis heute den Betrieb vieler Pharma-Reinräume, oft mit unnötig hohem Energieverbrauch. Moderne Reinraumtechnik zeigt, wie sich RLT-Anlagen und Versorgungssysteme GMP-konform, nachhaltig und wirtschaftlich betreiben lassen.

Weiterlesen
News: Europa

EDQM: Überarbeitete Leitlinie zu „Sister Files“

Das Europäische Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln und Gesundheitsfürsorge (EDQM) hat seine Leitlinie für Anträge auf sogenannte „Sister Files“ (PA/PH/CEP (09) 141) überarbeitet. Ziel ist eine einheitlichere Anwendung des Verfahrens sowie mehr Klarheit bei der Einstufung und Bewertung entsprechender CEP-Anträge.
Weiterlesen
News: EMA

EMA: Rücknahme eines Zulassungsantrags wegen fehlender Bestätigung des GMP-Status

Die EMA berichtete, dass Scholar Rock Netherlands den Zulassungsantrag für Isembyld zurückgezogen hat, nachdem das Bewertungsverfahren bereits bis zur abschließenden Fragerunde fortgeschritten war. Nach vorläufiger Einschätzung der EMA konnte das Arzneimittel nicht zugelassen werden, da der Antragsteller keine Bestätigung dafür vorgelegt hatte, dass die Herstellungsstätte die EU-GMP-Anforderungen erfüllt.
Weiterlesen
Frage der Woche | GMP-Verlag

Welche Rolle spielt die Luftwechselrate und Luftwechselzahl in Reinräumen?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
Validierung von KI-/ML-Systemen in GMP-Umgebungen: Anwendung des 7-Stufen-Modells der FDA

Validierung von KI-/ML-Systemen in GMP-Umgebungen: Anwendung des 7-Stufen-Modells der FDA

Künstliche Intelligenz gewinnt auch im GMP-Umfeld an Bedeutung und stellt Unternehmen vor neue regulatorische Herausforderungen. Zusammengefasst werden aktuelle regulatorische Entwicklungen, ein Validierungsrahmen auf Basis des FDA-7-Stufen-Modells sowie erste Praxiserfahrungen.

Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenÜbersicht und Preise als PDF zum AusdruckenMusterdokumenteMuster-SOPsMuster-Formulare Muster-ProtokolleMuster-DokumentationenChecklistenProzessdiagramme (Flowcharts) Praxisbeispiele zur Anwendung von QRM (z. B. Risikoanalysen) Beispieldokumente zurQualifizierung und ValidierungFallbeispieleAlle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und BehördeEin Team aus über 80 Expert*innen interpretiert behördliche Anforderungen und beschreibt deren Umsetzung in die Praxis. Die Autor*innen greifen zurück auf langjährige Erfahrung in der pharmazeutischen Industrie, Beratung und Behörde.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.Download Advantages and Prices

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.Übersicht und Preise als PDF zum Ausdrucken

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
810,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden dem Online-Portal automatisch hinzugefügt. Alle Information dazu erhalten Sie über unseren Infoletter Insider. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Für die individuelle Bearbeitung steht jede SOP mit einem Klick zum Download zur Verfügung. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Umsetzungstipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potenzial für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als bearbeitbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen. Sie dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Kommentare und Umsetzungstipps unterstützen Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre Unternehmensabläufe. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.Übersicht und Preise als PDF zum Ausdrucken

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.