Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Grundlagen zur Dichtigkeit von Container Closure Systemen

Grundlagen zur Dichtigkeit von Container Closure Systemen

Auszug aus dem GMP-BERATER, Kapitel 12.G.2, Grundlagen zur Dichtigkeit von Container Closure Systemen

5 Min. Lesezeit | von Raimund Brett
Erschienen im LOGFILE 03/2025

Unter dem Punkt „Finishing of sterile products“ sind im Annex 1 des EU-GMP-Leitfadens die Anforderungen zur Prüfung von sterilen Produkten beschrieben. Unter dem Finishing versteht man zum einen die Prüfung auf Dichtigkeit und zum anderen die Prüfung auf visuelle Verunreinigungen bzw. Partikel.
In unserem heutigen Leitartikel berichtet Raimund Brett über die Grundlagen zur Dichtigkeit von Primärverpackungssystemen (Container Closure System). Dabei geht es unter anderem darum, wie Undichtigkeiten definiert werden und welche Anforderungen an die Qualität von Container Closure Systemen gestellt werden.

Der Leitartikel ist ein Auzug aus dem GMP-BERATER, dem weltweit größten Standardwerk für Qualitätsmanagement in der Pharmaindustrie.


Die Aufgabe eines Primärverpackungssystem (Container Closure System) liegt im Wesentlichen darin, zu verhindern, dass das Produkt verloren geht (z. B. Auslaufen, Verdunsten etc.) und dass das Produkt von außen kontaminiert wird.

Eine Primärverpackung bzw. ein Verpackungssystem kann aus einem oder mehreren Bestandteilen bestehen. Als Beispiel seien hier Ampullen (nur eine Komponente, Glas) und Vials (mehrere Komponenten, Glasbehälter, Stopfen (Gummi) und Kappe (Aluminium)) genannt.

Folgende Definitionen können im Zusammenhang mit Undichtigkeiten gemacht werden:

  • Leck/Undichtigkeit: Ein Spalt oder ein Bruch im Verpackungssystem worüber Flüssigkeit oder Gas austreten kann
  • Leckage: Das unbeabsichtigte Eindringen oder Entweichen von Stoffen (fest, flüssig, gasförmig) durch eine Lücke in der Verpackung oder einen Spalt zwischen Verpackungsbestandteilen

Ein dichtes bzw. integres Verpackungssystem ist eines, das keine Undichtigkeiten wie Löcher oder Beschädigungen aufweist, die möglicherweise die Qualität des Produktes gefährden können.

Für Verpackungssysteme für sterile Produkte könnte man die Undichtigkeiten gemäß Abbildung 1 zum Beispiel in drei Kategorien einteilen (angelehnt and die USP).


Abbildung 1    Kategorien für Undichtigkeiten (gemäß USP 1207)


Das heißt ein dichtes Verpackungssystem ist nicht per se durch das Bestehen eines mikrobiologischen Challenge Tests oder eines Produkt-Sterilitätstests definiert. Eine dichte Verpackung ist eine, die das maximal zulässige Undichtigkeitslimit (MALL, maximum allowable leakage limit) einhält. Dieses Limit ist immer abhängig von den Anforderungen des Produktes und wird z. B. in mbar*l/s angegeben.

Somit ist klar, dass die Dichtigkeit des Verpackungssystems abhängig ist vom Produkt bzw. von den Anforderungen an dieses Produkt.

Die USP 1207 bildet dazu die in Abbildung 2 dargestellten Kategorien für die Anforderungen an die Qualität der Verpackung:

Abbildung 2    Kategorien für die Anforderungen an die Qualität des Primärverpackungssystems gemäß USP 1207


Die Kategorie 3 stellt eine Subkategorie dar, welche auf Multi-Dose Behältnisse anwendbar ist und in den Kategorien 1 und 2 enthalten sein kann. Bei der Kombination von 2 und 3 bedeutet das, dass sich die Anforderungen an die MALL im Produktzyklus verschieben. Nach der Abfüllung und der Lagerung gilt Kategorie 2, bei der Anwendung gilt aber nur noch die Kategorie 1.

Es gibt einige Untersuchungen dazu, welche Leckage-Raten bei sterilen Produkten anzusetzen sind. Aufgrund der Komplexität soll hier aber nicht weiter darauf eingegangen werden. Für detaillierte Informationen empfiehlt sich ein Studium der USP 1207 bis 1207.3. Generell kann man davon ausgehen, dass für nichtporöse starre Verpackungen wie Vials, Fertigspritzen, Kartuschen, BFS Kunststoffampullen, Ampullen etc. eine Helium leakage rate von < 6 x 10-6 mbar L/s (Kirsch, et all; PDA J Pharm Sci & Technol 51, 5, 1997) ein niedriges Risiko für das Eindringen von Mikroorganismen oder dem Verlust von flüssigem Produkt darstellt. Das entspricht in etwa einer Leckage durch einen Defekt von 0,1 bis 0,3 µm.

Es soll hier nochmals darauf hingewiesen werden, dass die Leckage Rate (MALL) für jedes Produkt/Verpackungssystem spezifisch ist und auf Basis von wissenschaftlichen Daten und des Risikos festgelegt werden muss. Die Kenntnisse der MALL ist wichtig da es verschiedene Arten der Prüfung auf Dichtigkeit gibt und nicht alle Verfahren für jede Undichtigkeit oder MALL gleich gut geeignet sind. Daher sollten, wenn erforderlich, immer mehrere Möglichkeiten der Testung auf Dichtigkeit zur Verfügung stehen.


Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte schreiben Sie uns: redaktion@gmp-verlag.de

Raimund Brett
Raimund Brett

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

Validierung von KI-/ML-Systemen in GMP-Umgebungen: Anwendung des 7-Stufen-Modells der FDA

Validierung von KI-/ML-Systemen in GMP-Umgebungen: Anwendung des 7-Stufen-Modells der FDA

Künstliche Intelligenz gewinnt auch im GMP-Umfeld an Bedeutung und stellt Unternehmen vor neue regulatorische Herausforderungen. Zusammengefasst werden aktuelle regulatorische Entwicklungen, ein Validierungsrahmen auf Basis des FDA-7-Stufen-Modells sowie erste Praxiserfahrungen.

Weiterlesen
Welche Rolle spielt die Luftwechselrate und Luftwechselzahl in Reinräumen?

Welche Rolle spielt die Luftwechselrate und Luftwechselzahl in Reinräumen?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
UBA: Ersetzbarkeit von Ewigkeitschemikalien (PFAS) auf dem Prüfstand

UBA: Ersetzbarkeit von Ewigkeitschemikalien (PFAS) auf dem Prüfstand

Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zur Ersetzbarkeit von PFAS-Wirkstoffen kommt zu dem Ergebnis, dass für 87 % der untersuchten humanmedizinischen PFAS-Wirkstoffe bereits PFAS-freie Alternativen existierten.

Weiterlesen
FDA: Neuer Leitlinienentwurf zu Container Closure Systems

FDA: Neuer Leitlinienentwurf zu Container Closure Systems

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat am 14. August 2026 die Verfügbarkeit einer neuen Draft Guidance mit dem Titel „Container Closure Systems for Human Drugs and Biological Products“ bekannt gegeben.

Weiterlesen
IPEC: Neue Version des IPEC-Leitfadens zur Stabilität von Hilfsstoffen

IPEC: Neue Version des IPEC-Leitfadens zur Stabilität von Hilfsstoffen

Der IPEC-Leitfaden zur Stabilität pharmazeutischer Hilfsstoffe wurde aktualisiert und ist nun in der Version 3 (2026) verfügbar, wie die IPEC (International Pharmaceutical Excipients Council) auf ihrer Website bekannt gegeben hat.

Weiterlesen
EU: Ewigkeitschemikalien im Zielkonflikt

EU: Ewigkeitschemikalien im Zielkonflikt

Der wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments (EPRS) hat am 14. Juli 2026 ein umfassendes Briefing zu den sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) veröffentlicht. Das Dokument soll Abgeordneten als fachliche Grundlage für anstehende politische Entscheidungen zur PFAS-Regulierung dienen und bündelt den Stand von Wissenschaft, Regulierung und Verfahren.

Weiterlesen
Wofür ist der Qualifizierungskoordinator verantwortlich?

Wofür ist der Qualifizierungskoordinator verantwortlich?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
Vom Routinebetrieb bis zur Requalifizierung: den qualifizierten Zustand dauerhaft erhalten

Vom Routinebetrieb bis zur Requalifizierung: den qualifizierten Zustand dauerhaft erhalten

Die Qualifizierung einer Anlage endet nicht mit der Performance Qualification (PQ). Erst das Zusammenspiel aus Instandhaltung, Periodic Reviews, Änderungsmanagement und Requalifizierungen während der Betriebsphase gewährleistet den Erhalt des qualifizierten Zustands über den gesamten Lebenszyklus.
Weiterlesen
APIC: Aktualisiertes „How to do“-Dokument zu GDP für Wirkstoffe veröffentlicht

APIC: Aktualisiertes „How to do“-Dokument zu GDP für Wirkstoffe veröffentlicht

Das Active Pharmaceutical Ingredients Committee (APIC) veröffentlichte auf seiner Webseite die Version 3 des Dokuments "GDP for APIs: How to do“ (Juni 2026). Das Dokument bietet praktische Hinweise zur Umsetzung der Guten Vertriebspraxis für Wirkstoffe.

Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenMusterdokumenteMuster-SOPsMuster-Formulare Muster-ProtokolleMuster-DokumentationenChecklistenProzessdiagramme (Flowcharts) Praxisbeispiele zur Anwendung von QRM (z. B. Risikoanalysen) Beispieldokumente zur Qualifizierung und ValidierungFallbeispiele Alle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und BehördeEin Team aus über 80 Expert*innen interpretiert behördliche Anforderungen und beschreibt deren Umsetzung in die Praxis. Die Autor*innen greifen zurück auf langjährige Erfahrung in der pharmazeutischen Industrie, Beratung und Behörde.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
810,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden dem Online-Portal automatisch hinzugefügt. Alle Information dazu erhalten Sie über unseren Infoletter Insider. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Für die individuelle Bearbeitung steht jede SOP mit einem Klick zum Download zur Verfügung. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Umsetzungstipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potenzial für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als bearbeitbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen. Sie dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Kommentare und Umsetzungstipps unterstützen Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre Unternehmensabläufe. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.