Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Outsourcing – Aufgaben des Auftraggebers

Outsourcing – Aufgaben des Auftraggebers

Auszug aus dem GMP-BERATER, Kapitel 1.L.3, Aufgaben des Auftraggebers

8 Min. Lesezeit | von Dr. Frank Böttcher
Erschienen im LOGFILE Leitartikel 13/2022

Die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben für die Herstellung und Prüfung eines Arzneimittels obliegt in Europa der Sachkundigen Person.

Das Management des Auftraggebers muss der Sachkundigen Person aber die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen, damit sie ihrer arzneimittelrechtlichen Verantwortung nachkommen kann. Sie kann Aufgaben delegieren, insbesondere an den Leiter Herstellung und Leiter Qualitätskontrolle, oder auch an andere Sachkundige Personen, die im Unterauftrag tätig werden. Dennoch trägt die Sachkundige Person, die die Freigabe zum Inverkehrbringen des Arzneimittels bescheinigt, die Verantwortung dafür, dass das Arzneimittel nach den gesetzlichen Regelungen und in Übereinstimmung mit der Zulassung oder Genehmigung für die klinische Prüfung hergestellt und geprüft wird.

Die Behörden fragen zunehmend nicht nur nach der Qualifikation der Sachkundigen Person, sondern auch danach, ob sie die entsprechende Erfahrung mit den von ihr freizugebenden Produkten hat. Da die Anforderungen an die sehr unterschiedlichen Verfahren bei der Herstellung und Prüfung der verschiedenen Arzneimittel immer komplexer werden, kann es daher zukünftig notwendig werden, auch bei der Zertifizierung kritischer Prüfverfahren auf die Unterstützung der Sachkundigen Person der Dienstleister zurückzugreifen. Die Kompetenz der Sachkundigen Person der Labordienstleister wird dabei weniger für die Chargenfreigabe genutzt, sondern vielmehr für die Zertifizierung spezieller Prüfungen, für die bei der Sachkundigen Person des Auftraggebers keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen. So kann die Expertise des Dienstleistungslabors genutzt werden, um die Sachkundige Person, die für die Marktfreigabe verantwortlich ist, besser zu unterstützen. Sie muss allerdings für den Auftraggeber trotz der Vergabe einzelner Leistungen an Unterauftragnehmer letztlich sicherstellen, dass alle arzneimittelrechtlichen Vorgaben eingehalten werden.

Der Auftraggeber muss in seinem QS-System genau beschreiben, wie die Sachkundige Person dieser Verantwortung gerecht werden kann. Darüber hinaus muss der Auftraggeber in seinem QS-System festlegen, wie die Qualifizierung des Zulieferers erfolgen soll und wie die Leistung des Zulieferers kontinuierlich überprüft werden kann.

Grundlage für die Zusammenarbeit ist der Abschluss eines Vertrages mit dem Auftragnehmer, der die Vergabe und Aufteilung der Verantwortung zwischen den beteiligten Unternehmen genau regelt (GMP-Vertrag bzw. Verantwortungsabgrenzungsvertrag).

Vor Vergabe der Aufträge an Zulieferer muss der Auftraggeber sich davon überzeugen, dass die Auftragsvergabe in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben erfolgt, der Auftragnehmer geeignet ist und die nötigen Einrichtungen, Kompetenzen und das Personal besitzt, um die Tätigkeit im Auftrag ohne Qualitätseinbußen zu übernehmen. Dazu gehört auch, dass der Auftraggeber die Einhaltung der GMP-Regularien beim Auftragnehmer sicherstellen muss.

Der Auftraggeber muss ferner dafür sorgen, dass der Auftragnehmer alle Informationen und Unterlagen von ihm erhält, die ihn in die Lage versetzen, die Tätigkeiten zulassungskonform auszuführen. Dazu ist es notwendig, nicht nur Herstellungs- und Prüfanweisungen auszutauschen, sondern den Auftragnehmer auch darüber zu informieren, welche Probleme bei der Entwicklung oder in der Vergangenheit bei der Herstellung und Prüfung aufgetreten sind. Daneben sind Unterlagen zu Validierungen oder Revalidierungen, ggf. Auswertungen aus dem Product Quality Review (PQR) für die schnelle und sichere Übertragung einer Leistung an einen Dienstleister von großer Bedeutung. Ferner muss der Auftraggeber alle Informationen zu eventuell notwendigen Sicherheitsvorkehrungen an den Auftragnehmer weitergeben. Dies ist natürlich bei Arzneimitteln und Wirkstoffen aufgrund ihrer pharmakologischen Aktivität zwingend notwendig, insbesondere bei noch nicht allgemein bekannten Substanzen aus Neuentwicklungen.

Im Rahmen der kontinuierlichen Lieferantenbewertung muss der Auftraggeber regelmäßig die Leistung seiner Zulieferer bewerten. Er muss außerdem sicherstellen, dass notwendige Änderungen und Ergänzungen bestehender Vereinbarungen oder Vorgaben erfolgen, wenn er feststellt, dass dies notwendig wird. Diese Bewertung kann risikobasiert erfolgen und sollte verschiedene Dinge berücksichtigen. Dazu gehört, ob die Leistung einmalig oder dauerhaft vergeben wird, welche Erfahrungen in der bisherigen Zusammenarbeit mit dem Zulieferer gemacht wurden, wie Reklamationen und Abweichungen bearbeitet wurden, die Bewertung der Ergebnisse eigener Audits oder die der Überwachungsbehörden.

Der Auftraggeber ist ferner dafür verantwortlich, die Dokumentation, die zu einer bestimmten Leistung gehört, zu sichten und zu bewerten. Dies kann direkt durch die Sachkundige Person des Auftraggebers erfolgen oder auch an eine Sachkundige Person des Auftragnehmers delegiert werden, wenn dies vertraglich festgelegt wurde. Auch hier ist ein risikobasiertes Vorgehen anzuraten, damit nicht einzelne Dokumente doppelt geprüft werden müssen. Die Prüfung sollte aber möglichst von der Sachkundigen Person mit der größten Expertise für den zu bewertenden Prozessschritt oder die zu bewertende Prüfung durchgeführt werden.

Ob die Dokumentation beim Auftragnehmer für den Auftraggeber ausreichend ist, kann dadurch verifiziert werden, dass bei erstmaliger Vergabe die Dokumente der ersten Chargen komplett dem Auftraggeber zur Verfügung gestellt werden. Später können im Rahmen regelmäßiger Lieferantenaudits stichprobenartige Überprüfungen erfolgen.

Im jährlichen Product Quality Review muss regelmäßig nachgewiesen werden, dass die Vereinbarungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer aktuell sind. Neben der Überprüfung der Aktualität der Vereinbarungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer und der Trendanalysen wird der Product Quality Review zukünftig eine größere Rolle im Prozessverständnis und für die Weiterentwicklung der Prozesse spielen, da hier die relevanten Daten zum Produkt, aber auch Informationen zu Verfahren selbst zusammengefasst und bewertet werden. Anhand dieser Informationen können auch die Prüfverfahren hinsichtlich Ihrer Eignung, notwendiger Revalidierungen oder Verbesserungen hin überprüft werden.

Die in Abbildung 1.L-4 aufgeführten Aufgaben des Auftraggebers umfassen dabei nur die formellen Anforderungen. Die Komplexität der eingesetzten Verfahren zur Prüfung von Produkten oder auch zur Steuerung der Herstellungsprozesse nimmt ständig zu. Damit steigt auch die Einbindung externer Experten wie Labordienstleister. Aus diesem Grund müssen Schnittstellen definiert werden, um das beim Dienstleister für die Produkte des Auftraggebers vorhandene und sich stetig weiter entwickelnde Know-how für das prozessorientierte Wissensmanagement beim Auftraggeber verfügbar zu haben. Dies gilt auch bei einem evtl. Wechsel des Dienstleisters. In diesem Fall ist es wichtig, das Wissen beim Transfer zu einem neuen Dienstleister zur Verfügung zu haben.

Abbildung 1.L-4 Aufgaben des Auftraggebers



Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte schreiben Sie uns: redaktion@gmp-verlag.de

Dr. Stephanie Blum
Dr. Stephanie Blum

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

Reinigungsvalidierung: Wenn PDE-Gutachten und Worst Case nicht zusammenpassen

Reinigungsvalidierung: Wenn PDE-Gutachten und Worst Case nicht zusammenpassen

Belastbare PDE-Gutachten sind die Grundlage einer risikobasierten Reinigungsvalidierung. Der Beitrag zeigt, welche Mängel diesbezüglich bei GMP-Inspektionen häufig auftreten und wie Sie diese vermeiden können.

Weiterlesen
Frage der Woche | GMP-Verlag

Welche Arten von raumlufttechnischen Systemen gibt es in der Pharmaherstellung?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
FDA: Anpassung der Nitrosamin-Grenzwerte für Arzneimittel zur kurzzeitigen Anwendung

FDA: Anpassung der Nitrosamin-Grenzwerte für Arzneimittel zur kurzzeitigen Anwendung

Die FDA hat ihre Empfehlungen zu den Acceptable Intake (AI) Limits für Nitrosamin-Verunreinigungen aktualisiert. Neu akzeptiert die Behörde unter bestimmten Voraussetzungen eine Less-Than-Lifetime-(LTL)-Anpassung der AI-Grenzwerte für Arzneimittel, die nicht lebenslang angewendet werden. Dies ist gleichzeitig eine Annäherung an das LTL-Konzept von ICH M7(R2).
Weiterlesen
Swissmedic: SMS-Registrierung für Wirkstoffe als Voraussetzung für GMP-Zertifikate

Swissmedic: SMS-Registrierung für Wirkstoffe als Voraussetzung für GMP-Zertifikate

Ab dem 15. November 2026 müssen Wirkstoffe in der EMA-Datenbank Substance Management Services (SMS) registriert sein, damit Swissmedic sie in Betriebsbewilligungen und GMP-Zertifikaten für Wirkstoffhersteller aufführen kann. Hintergrund sind Änderungen an der EudraGMDP-Datenbank.
Weiterlesen
News: EMA

EMA: Neue Q&As zu biologischen Arzneimitteln

Die EMA hat ihre Q&As zu biologischen Arzneimitteln um einen neuen Abschnitt zu „Arzneimitteln mit Sekretomen oder extrazellulären Vesikeln (EVs) aus menschlichen oder tierischen Zellen“ ergänzt.
Weiterlesen
News: Europa

EU: Rat nimmt Pharmapaket an

Der Rat der Europäischen Union hat am 28. September 2026 das EU-Pharmapaket angenommen. Damit hat die umfassende Reform des europäischen Arzneimittelrechts eine weitere wichtige Hürde im Gesetzgebungsverfahren genommen.
Weiterlesen
News: EMA

EMA: Bericht zum ersten bilateralen Treffen mit APIC veröffentlicht

Die EMA hat die Ergebnisse ihres ersten bilateralen Treffens mit dem Active Pharmaceutical Ingredients Committee (APIC) veröffentlicht. Themen waren die GMP-Überwachung von Wirkstoffherstellern, die Wiederverwendung zurückgewonnener Lösungsmittel und Nitrosaminrisiken.
Weiterlesen
Nährmedien und Nährmedienprüfung

Nährmedien und Nährmedienprüfung

Nährmedien spielen eine wichtige Rolle bei allen mikrobiologischen Untersuchungen. Damit man sich auf die erhaltenen Ergebnisse verlassen kann, muss das Nährmedium vor seinem Einsatz einer Prüfung unterzogen werden. Welche Eigenschaften geprüft werden und wie man dabei vorgeht, beschreibt Mikrobiologe Dr. Michael Rieth.

Weiterlesen
Frage der Woche | GMP-Verlag

Welche Sterilisationsverfahren gibt es für Endsterilisation?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen. Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenÜbersicht und Preise als PDF zum Ausdrucken60+ MusterdokumenteAußerdem enthält der GMP-BERATER mehr als 60 Musterdokumente im Office-Format und Praxisbeispiele, die Sie individuell nutzen können:Muster-SOPsMuster-FormulareMuster-ProtokolleMuster-DokumentationenChecklistenProzessdiagramme (Flowcharts)Praxisbeispiele zur Anwendung von QRM (z. B. Risikoanalysen)Beispieldokumente zur Qualifizierung und ValidierungFallbeispieleFür leichte Auffindbarkeit sind diese Dokumente zusätzlich in einem eigenen Kapitel zusammengefasst.Alle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und BehördeEin Team aus über 80 Expert*innen interpretiert behördliche Anforderungen und beschreibt deren Umsetzung in die Praxis. Die Autor*innen greifen zurück auf langjährige Erfahrung in der pharmazeutischen Industrie, Beratung und Behörde.

Lieferung unmittelbar nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

With an named user licence, one user can access the knowledge portal; with a corporate licence, any number of users can access it.Approx. 5,000 pages of practical GMP knowledge with illustrations and forms: Practical guidance for rapid implementation in the workplaceDetailed descriptions of GMP-compliant systemsInternational laws and guidelines Always up-to-date thanks to regular updates Download Advantages and Prices60+ Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains more than 60 sample documents (MS Office) and practical examples that you can use.Sample SOPsSample FormsSample ReportsSample DocumentationChecklistsProcess Diagrams (Flowcharts)Practical Examples of QRM Application (e.g., Risk Analyses)Sample Documents for Qualification and ValidationCase StudiesWritten by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industryA team of over 80 experts interpret regulatory requirements and describe how they are implemented in practice.The authors are experienced in the pharmaceutical industry, consulting, and government agencies.

Lieferung unmittelbar nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.Übersicht und Preise als PDF zum Ausdrucken

Lieferung unmittelbar nach Zahlungseingang
810,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden dem Online-Portal automatisch hinzugefügt. Alle Information dazu erhalten Sie über unseren Infoletter Insider. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Für die individuelle Bearbeitung steht jede SOP mit einem Klick zum Download zur Verfügung. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Umsetzungstipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potenzial für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als bearbeitbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen. Sie dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Kommentare und Umsetzungstipps unterstützen Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre Unternehmensabläufe. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.Übersicht und Preise als PDF zum Ausdrucken

Lieferung unmittelbar nach Zahlungseingang
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.