Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Was ist neu im zweiten Entwurf des Annex 1? Teil 2

Was ist neu im zweiten Entwurf des Annex 1? Teil 2

8 Min. Lesezeit | von Ruven Brandes
Erschienen im LOGFILE 12/2020

In einer Reihe von LOGFILE-Artikeln stellen wir Ihnen die wichtigsten Änderungen im neuen Entwurf des Anhangs 1 zum EU-GMP-Leitfaden vor.

Im ersten Teil der Reihe hat unser Autor Ruven Brandes die neue Struktur des Annex 1, seinen erweiterten Anwendungsbereich sowie die besondere Betonung von Qualitätsrisikomanagement und Contamination Control Strategy erläutert (LOGFILE 10/2020). 

Im zweiten Teil geht es um relevante Änderungen des Abschnittes „Grundsätze“. Diese wurden bereits im ersten Teil kurz angesprochen. Weiterhin werden Änderungen im Abschnitt 4 „Räumlichkeiten“ vorgestellt.

Im Februar 2020 wurde der zweite Entwurf des überarbeiteten EU-GMP Anhangs 1 zur Herstellung steriler Arzneimittel veröffentlicht. Dieser steht bis zum 20.05.2020 zur Konsultation. Ausgewählte Organisationen und Interessenträger können anhand eines Fragenkataloges den aktuellen Entwurf kommentieren. Eine öffentliche Kommentierung ist grundsätzlich nicht geplant. Anfragen dazu können aber an die EMA gestellt werden und müssen im Einzelfall genehmigt werden.


Grundsätze und Contamination Control Strategy

Eine der Änderungen, mit der man besonders zufrieden sein kann, ist ein Satz, der in der ersten Revision nicht enthalten war:

“QRM priorities should include good design of the facility, equipment and process in the first instance, then implementation of well-designed procedures, with monitoring systems as the final element that demonstrate that the design and procedures have been correctly implemented and continue to perform in line with expectations. Exclusively monitoring or testing does not give assurance of sterility.”

In vielen Firmen mit nahezu perfekten Prozessverfahren fehlt ein solides Prozessverständnis, damit richtige Entscheidungen während der Validierung getroffen werden und damit die Risikoanalyse auch dazu genutzt wird, wozu sie angelegt wurde! Auch wenn dieser Absatz das Problem nicht beheben wird, zeigt er doch auf, dass die Behörden aktiv ein tiefes Maß an Prozessverständnis fördern und fordern, wenn es um Anlagen, Ausrüstung und Prozesse geht.

Die "Contamination Control Strategy" wurde in der ersten Revision nicht abgekürzt. Jetzt hat sie ihre eigene Abkürzung erhalten - CCS. Die Strategie wird im Absatz "Grundsätze" eingeführt und anschließend im gesamten Dokument verwendet. Im ersten Entwurf wurde die Thematik 19-mal verwendet, im neuen Entwurf wird die „Strategie“ 43-mal genannt. Dies verdeutlicht sehr anschaulich die besondere Bedeutung der CCS.

Die zweite Revision hält auch noch eine neue, zusätzliche Anforderung für die CCS bereit:

„The CCS (Contamination Control Strategy) should be actively updated and should drive continuous improvement of the manufacturing and control methods.”

Diese Betonung führt dazu, dass die Qualitätssicherung innerhalb eines pharmazeutischen Unternehmers mehr Aufgaben erhält und diese überwachen muss. Eine Angliederung des CCS an eine andere Abteilung ist nach Auffassung des Autors nicht möglich. Die einzelnen Punkte innerhalb des CCS erfordern es, den Überblick innerhalb des pharmazeutischen Unternehmers zu behalten. Diesen Überblick kann nur die Qualitätssicherung übernehmen!

In den nachfolgenden Absätzen wurden geringfügige Änderungen vorgenommen, nämlich:

  • Im ersten Entwurf wurde der Begriff "Ausrüstung und Ausstattung" verwendet. Dieser wurde aktualisiert, um die gebräuchlichere GMP-Terminologie widerzuspiegeln: "Räumlichkeiten und Ausrüstung".
  • Einwegsysteme (Single Use Systems) haben eine eigene Abkürzung erhalten: SUS.
  • Es wurde ein Satz hinzugefügt, der darauf hinweist, dass alle Aspekte der CCS und des Lebenszyklus (mit laufender und regelmäßiger Überprüfung) gegebenenfalls zu Aktualisierungen innerhalb des Qualitätssystems führen sollten.

Die folgenden beiden Anmerkungen aus dem ersten Entwurf sind in der aktuellen Fassung nicht mehr enthalten:

  • „This guidance does not lay down detailed methods for determining the microbiological and particulate cleanliness of air, surfaces etc. Reference should be made to other documents such as the EN/ISO Standards and Pharmacopoeial monographs for more detailed guidance.“
  • „Where national legislation permits, additional guidance regarding the preparation of unlicensed sterile medicinal products normally performed by healthcare establishments for direct supply to patients, reference may be made to the Annex 1: “Guidelines on the standards required for the sterile preparation of medicinal products” of the PIC/S guide to good practices for the preparation of medicinal products in healthcare establishments, PE 010.“

Die Entfernung dieser beiden Absätze war folgerichtig. Im ersten Entwurf führten diese beiden Absätze zu Verwirrung, da auf Normen und Richtlinien verwiesen wurde, welche nicht ständig aktuell gehalten werden können und somit zu Differenzen bzgl. der Aktualität führen würde.


Räumlichkeiten

Der Abschnitt, der jetzt "Premises" (Abschnitt 4) ist, war in der vorherigen Revision "Personal". Hier sehen wir ebenfalls eine weitere Ausrichtung auf die GMP-Terminologie und die Erwartungen, die wir in anderen Anhängen des EU-GMP Leitfadens ebenfalls sehen. In der ersten Revision wird erwähnt, dass sterile Produkte in "sauberen Bereichen" hergestellt werden sollten. In der Revision zwei wird darauf hingewiesen, dass sterile Produkte in Reinräumen hergestellt werden sollten.

Der Abschnitt beginnt direkt mit einer wesentlichen Änderung. Es wird erläutert, wie Personal und Material in Reinräume geschleust werden sollten.


Revision eins:

“5.1 The manufacture of sterile products should be carried out in clean areas, entry to which should be through airlocks for personnel and/or for equipment and materials. Clean areas should be maintained to an appropriate cleanliness standard and supplied with air which has passed through filters of an appropriate efficiency.”

Revision zwei:

"4.1 The manufacture of sterile products should be carried out in appropriate cleanrooms, entry to which should be through changing rooms that act as airlocks for personnel and airlocks for equipment and materials. Cleanrooms should be maintained to an appropriate cleanliness standard and supplied with air which has passed through filters of an appropriate efficiency. Controls and monitoring should be scientifically justified and capable of evaluating the state of environmental conditions for cleanrooms, airlocks and pass-throughs used for material and equipment transfer.“

Damit wird der Interpretationsspielraum entfernt und klargestellt, wie die Überwachung bzw. deren Strategie zu erfolgen hat.

Im Rahmen der CCS-Betrachtung erfolgt der Bogenschluss zu Isolatoren und zum RABS-System. Bereits hier sind diese zwei Systeme in einem Unterpunkt ergänzt worden. Es wird betont, dass diese nützlich bei der Sicherstellung der erforderlichen Bedingungen und Minimierung der mikrobiellen Kontamination sind. Deshalb mussten diese beiden Systeme unbedingt im CCS berücksichtigt werden. Die große Bedeutung des CCS wird an dieser Stelle nochmals sehr deutlich.

„4.3 Restricted Access Barrier Systems (RABS) and isolators are beneficial in assuring the required conditions and minimizing the microbial contamination associated with direct human interventions in the critical zone. Their use should be considered in the CCS. Any alternative approaches to the use of RABS or isolators should be justified.“


Lesen Sie in einer der kommenden LOGFILE-Ausgaben im dritten Teil weitere Analysen zum Abschnitt 4 Räumlichkeiten und zum Abschnitt 5 Ausrüstungen.



Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte schreiben Sie uns: redaktion@gmp-verlag.de

Ruven Brandes
Ruven Brandes

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

Deutschland: Änderungen im Tierarzneimittelgesetz

Deutschland: Änderungen im Tierarzneimittelgesetz

Mit dem Gesetz zur Änderung des Tiergesundheitsgesetzes, des Tierarzneimittelgesetzes und des tiergesundheitsrechtlichen Bußgeldgesetzes wurden mehrere Vorschriften des Tierarzneimittelgesetzes (TAMG) angepasst. Die Änderungen gelten seit 10. März 2026.
Weiterlesen
FDA: Entwurf zur Beantwortung von Formular-483-Beobachtungen

FDA: Entwurf zur Beantwortung von Formular-483-Beobachtungen

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen Entwurf einer Leitlinie zur Beantwortung von Formular-FDA-483-Beobachtungen nach GMP-Inspektionen veröffentlicht. Das Dokument beschreibt, wie Hersteller Inspektionsbefunde strukturiert adressieren sollten und welche Informationen eine Antwort enthalten sollte.
Weiterlesen
Durch welche Maßnahmen können Kreuzkontaminationen vermieden werden?

Durch welche Maßnahmen können Kreuzkontaminationen vermieden werden?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
GMP trifft Strahlenschutz – wie geht das zusammen?

GMP trifft Strahlenschutz – wie geht das zusammen?

Die Herstellung von Radiopharmazeutika erfordert die gleichzeitige Einhaltung von EU-GMP-Leitfaden und Strahlenschutzverordnung, was zu Zielkonflikten zwischen Produktsicherheit und Personenschutz führen kann. Technische Lösungen wie Unterdrucksysteme und Bleizellen sowie eine frühzeitige Behördenabstimmung sind entscheidend für eine GMP- und strahlenschutzkonforme Umsetzung.
Weiterlesen
Team-NB: Chancen und Risiken der MDR/IVDR-Revision

Team-NB: Chancen und Risiken der MDR/IVDR-Revision

Der europäische Verband der Benannten Stellen für Medizinprodukte, Team-NB, sieht in der geplanten Revision der MDR und IVDR grundsätzlich Chancen für mehr Effizienz, Transparenz und Vorhersehbarkeit im Konformitätsbewertungsverfahren.
Weiterlesen
EMA: Neue Q&A zu Mischungen aus Wirkstoffen und Hilfsstoffen

EMA: Neue Q&A zu Mischungen aus Wirkstoffen und Hilfsstoffen

Neue Fragen und Antworten zur Qualität von Arzneimitteln erläutern den regulatorischen Umgang mit Mischungen aus Wirkstoffen und Hilfsstoffen („API Mix“). Eine solche Mischung wird als Kombination eines Wirkstoffs mit einem oder mehreren Hilfsstoffen definiert und gilt als erster Herstellungsschritt des Fertigarzneimittels.

Weiterlesen
EMA: GMP-Dokumentation für die Sterilisation eines Wirkstoffs

EMA: GMP-Dokumentation für die Sterilisation eines Wirkstoffs

Die EMA Fragen-und-Antworten zur Qualität von Arzneimitteln wurden ergänzt um folgende Frage: Welche GMP-Dokumentation wird für einen Wirkstoffhersteller benötigt, der die Sterilisation eines Wirkstoffs durchführt?

Weiterlesen
EMA: Aktualisierte Fragen und Antworten zu OOS-ATMP-Chargen

EMA: Aktualisierte Fragen und Antworten zu OOS-ATMP-Chargen

Die EMA hat ihre Fragen und Antworten zum Umgang mit Out-of-Specification (OOS)-Batches zugelassener zell- bzw. gewebe-basierter ATMPs überarbeitet (“Questions and answers on the use of out-of-specification batches of authorised cell/tissue-based ATMPs”, Rev. 1, 2026). Die Revision präzisiert stärker, unter welchen außergewöhnlichen Umständen ein OOS-Batch verwendet werden darf.
Weiterlesen
EMA: Neue Guideline zu Elementarverunreinigungen in Tierarzneimitteln

EMA: Neue Guideline zu Elementarverunreinigungen in Tierarzneimitteln

Die EMA hat die neue Guideline on risk management requirements for elemental impurities in veterinary medicinal products (EMA/CVMP/426245/2023) veröffentlicht. Sie wurde entwickelt, um die bisherigen Dokumente zur Risikobewertung und zum Umgang mit Elementarverunreinigungen in Tierarzneimitteln in ein einheitliches, klar strukturiertes Guideline-Format zu überführen.
Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit über 600 Arbeitshilfen, Checklisten, Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenAlle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und Behörde

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung 2.0 bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
810,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden Ihrer Sammlung automatisch hinzugefügt. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Einfach klicken, schon steht Ihre SOP zur Verfügung.Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Tipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potential für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als editierbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen an die Herstellung von Arzneimitteln und dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Mit zahlreichen erklärenden Hinweisen und nützlichen Tipps, die Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre konkreten Unternehmensabläufe unterstützen. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.

Sofort versandfertig, Lieferzeit ca. 2-5 Werktage
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.