Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Wie unterscheiden sich Korrektur, Korrekturmaßnahme und Vorbeugemaßnahme?

Wie unterscheiden sich Korrektur, Korrekturmaßnahme und Vorbeugemaßnahme?

Auszug aus dem GMP-BERATER, Kapitel 1.F.3, Wie unterscheiden sich Korrektur, Korrekturmaßnahme und Vorbeugemaßnahme?

5 Min. Lesezeit | von Dr. Christian Gausepohl
Erschienen im LOGFILE Leitartikel 23/2023

Die genaue Definition und Abgrenzung der Begriffe Korrektur, Korrekturmaßnahme und Vorbeugemaßnahme ist wichtig für die korrekte und einheitliche Verwendung. In der betrieblichen Praxis kann es schnell zu umgangssprachlichen Unschärfen kommen. Auch werden die Begriffe „Korrektur“ und „Korrekturmaßnahme“ oft fälschlicherweise als Synonyme verwendet.

Dr. Christian Gausepohl vergleicht in einem Auszug aus dem weltweit umfangreichsten GMP-Wissensportal, dem GMP-BERATER, die Merkmale zu Korrektur, Korrekturmaßnahme und Vorbeugemaßnahme.


Schnell kann es in der betrieblichen Praxis zu umgangssprachlichen Unschärfen kommen, da beispielsweise sowohl Korrekturmaßnahmen als auch Vorbeugemaßnahmen in die Zukunft gerichtet sind und vorbeugend der Fehlervermeidung dienen. Andererseits werden auch die Begriffe „Korrektur“ und „Korrekturmaßnahme“ häufig fälschlicherweise als Synonyme verwendet. Abbildung 1 zeigt zur Verdeutlichung eine zusammenfassende Gegenüberstellung der einzelnen Merkmale.

Eine wichtige Abgrenzung liegt zwischen der Korrektur und der Korrekturmaßnahme vor. Während mit der Korrektur ausschließlich die Beseitigung des Fehlers verfolgt wird – als Behebung des Symptoms –, geht es bei der Korrekturmaßnahme um die Beseitigung der Fehlerursache, die in der Ursachenermittlung identifiziert wurde. Das Ziel einer Korrektur ist die Einhaltung der Anforderung, das Ziel einer Korrekturmaßnahme ist das Vermeiden des Wiederauftretens des konkreten Fehlers. Hieraus ist ersichtlich, dass beide Fälle nach Feststellen des Fehlers und spezifisch für den Fehler festgelegt werden und damit reaktiv.

Als Beispiele für Korrekturen können genannt werden:

  • Umarbeitung eines fehlerhaften Produkts
  • Aussortieren von fehlerhaften Verpackungseinheiten im Zusammenhang mit einer 100%-Kontrolle

Die Vorgaben der Zulassung und aus der Validierung müssen dabei berücksichtigt werden.

Der Unterschied zur Korrekturmaßnahme wird an folgendem Beispiel klar: Bei einer Abfüllung von Tabletten in Dosen mit nachfolgender Etikettierung kommt es auf dem Transportband zu sporadischen Beschädigungen der Etiketten durch Auflaufen der Dosen an einer Führungsschiene. Die Korrektur umfasst die Vernichtung der Dosen mit beschädigten Etiketten. Durch die geeignete Justierung der Führungsschiene als Korrekturmaßnahme wird das direkte Wiederauftreten des Fehlers vermieden. Zusätzlich werden für die Zukunft die Vorgaben für die formatabhängige Justierung eindeutiger gestaltet.

Die Vorbeugemaßnahme beschäftigt sich mit der Beseitigung potenzieller Fehlerursachen mit dem Ziel der Vermeidung von potenziellen Fehlern. Vorbeugemaßnahmen sind vom Wesen her unspezifisch für den beschriebenen Fehler, erfolgen nach Feststellen eines Risikos und sind von proaktiver Natur. Sowohl Korrekturmaßnahme als auch Vorbeugemaßnahme benötigen eine entsprechende Ursachenermittlung, um sinnvoll definiert zu werden.

Vorbeugemaßnahmen können auch ohne aufgetretenen Fehler generiert werden mit dem Ziel der Verbesserung. Dies kann beispielsweise auf Basis von Trendanalysen oder Risikobewertungen erfolgen. Bei dem oben dargestellten Beispiel kann die Trendbewertung über mehrere Verpackungslinien zeigen, dass nicht optimale Justierungen grundsätzlich zu Beschädigungen führten. Als Maßnahmen können technische Änderungen die Justierbarkeit vereinheitlichen und Fehljustierungen ausschließen (Poka-Yoke).

Vorbeugemaßnahmen und Korrekturmaßnahmen sind nicht direkt miteinander automatisch verknüpft und sollten daher getrennt gesehen werden. Sprachlich werden diese jedoch häufig über den Begriff CAPA kombiniert. Die Global Harmonization Task Force (GHTF) hat dies aufgegriffen und in ihrer Guidance on Corrective Action and Preventive Action and related QMS Processes explizit auf die Verwendung des CAPA-Begriffs verzichtet:

„Das Akronym CAPA wird in diesem Dokument nicht verwendet, da das Konzept von Korrekturmaßnahme und Vorbeugemaßnahme fälschlicherweise so interpretiert wurde, dass für jede Korrekturmaßnahme eine Vorbeugemaßnahme erforderlich ist.“

(Guidance on corrective action and preventive action and related QMS processes (GHTF/SG3/N18:2010))

Abbildung 1    Vergleich der Merkmale zu Korrektur, Korrekturmaßnahme und Vorbeugemaßnahme



Haben Sie Fragen oder Anregungen? Bitte schreiben Sie uns: redaktion@gmp-verlag.de

Dr. Christian Gausepohl
Dr. Christian Gausepohl

Folgende Beiträge könnten Sie auch interessieren

EMA: Q&A-Papier zu Maßnahmen gegen mikrobielle Kontamination nicht steriler Arzneimittel

EMA: Q&A-Papier zu Maßnahmen gegen mikrobielle Kontamination nicht steriler Arzneimittel

Die EMA hat ein neues Q&A-Papier zu technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Vermeidung mikrobieller Kontaminationen bei nicht sterilen Arzneimitteln veröffentlicht.
Weiterlesen
Was hat Schweizer Käse mit Anhang 22 des EU-GMP-Leitfadens zu tun?

Was hat Schweizer Käse mit Anhang 22 des EU-GMP-Leitfadens zu tun?

Die Antwort auf diese Frage lieferte der zweitägige Multistakeholder-Workshop der EMA zu Anhang 22 (30. Juni – 1. Juli 2026). Ziel der Veranstaltung war es, den neuen Anhang des EU-GMP-Leitfadens zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Arzneimittelherstellung weiterzuentwickeln.
Weiterlesen
Welche Rolle spielen Reinräume bei der Herstellung steriler Arzneimittel?

Welche Rolle spielen Reinräume bei der Herstellung steriler Arzneimittel?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
FDA: Aktualisiertes Compliance Program für Preapproval-Inspektionen

FDA: Aktualisiertes Compliance Program für Preapproval-Inspektionen

Die FDA hat ihr Compliance Program 7346.832 „Preapproval Inspections“ überarbeitet. Das aktualisierte Programm beschreibt die Planung, Durchführung und Auswertung von Preapproval Inspections (PAIs) für Zulassungsanträge für neue Arzneimittel (NDAs) und Generika (ANDAs).
Weiterlesen
EMA: Aktualisierte Fragen und Antworten zum EU-US-MRA

EMA: Aktualisierte Fragen und Antworten zum EU-US-MRA

Die EMA hat ihre Fragen und Antworten zum EU-US Mutual Recognition Agreement (MRA) aktualisiert. Anlass ist der Abschluss der FDA-Bewertung aller zuständigen EU-Behörden für GMP-Inspektionen von Tierarzneimitteln am 29. Mai 2026.
Weiterlesen
WHO: Konsultationsentwurf zur Überwachung der Entsorgung von Arzneimitteln und Medizinprodukten

WHO: Konsultationsentwurf zur Überwachung der Entsorgung von Arzneimitteln und Medizinprodukten

Die WHO hat einen Konsultationsentwurf zur behördlichen Überwachung der Entsorgung von Arzneimitteln und Medizinprodukten über deren gesamten Lebenszyklus veröffentlicht (Good practices for regulatory oversight of the disposal of medical products throughout their life cycle).
Weiterlesen
Was bedeutet OPC UA?

Was bedeutet OPC UA?

Hier geht es zur Antwort:
Weiterlesen
APS-Invalidierung und First Air im Fokus

APS-Invalidierung und First Air im Fokus

Auf der PDA Good Aseptic Manufacturing Conference 2026 in Frankfurt erörterte Alberto Gonzales (Takeda) Herausforderungen und praktische Lösungen im Zusammenhang mit aseptischen Prozesssimulationen (APS). Anna Campanella (Takeda) und Hussein Bachir (Franz Ziel) untersuchten, wie der Schutz von First Air in der aseptischen Verarbeitung durch die Anlagenkonstruktion, Handschuhinterventionen und Bedieneraktivitäten beeinträchtigt werden kann.
Weiterlesen
EU: Anhang 19 des EU-GMP-Leitfadens aktualisiert

EU: Anhang 19 des EU-GMP-Leitfadens aktualisiert

Die Europäische Kommission hat eine überarbeitete Fassung von Anhang 19 „Referenzproben und Rückstellmuster“ veröffentlicht. Die Revision betrifft vor allem die Anforderungen an Referenz- und Rückstellmuster für parallel importierte, parallel vertriebene und parallel gehandelte Arzneimittel.
Weiterlesen
Vorheriges
Nächstes

Produkte zum Thema

Produktgalerie überspringen
GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

GMP-BERATER | Personenlizenz | 12M

Tausende Fachleute nutzen heute den GMP-BERATER, diese weltweit einmalige und umfangreichste Informationsbasis für die Gute Herstellungspraxis. Mit einer Personenlizenz kann ein User, mit der Firmenlizenz können beliebig viele User auf das Wissensportal zugreifen.Ca. 5.000 Seiten GMP-Praxiswissen mit Abbildungen und Formblättern:Praxisnahe Anleitung für die schnelle Umsetzung im BetriebDetaillierte Beschreibung von GMP-gerechten SystemenInternationale Gesetze und Richtlinien im Original, z. T. mit deutscher ÜbersetzungImmer aktuell durch regelmäßige AktualisierungenMusterdokumenteMuster-SOPsMuster-Formulare Muster-ProtokolleMuster-DokumentationenChecklistenProzessdiagramme (Flowcharts) Praxisbeispiele zur Anwendung von QRM (z. B. Risikoanalysen) Beispieldokumente zur Qualifizierung und ValidierungFallbeispiele Alle Beiträge von praxiserfahrenen Autorinnen und Autoren aus Industrie und BehördeEin Team aus über 80 Expert*innen interpretiert behördliche Anforderungen und beschreibt deren Umsetzung in die Praxis. Die Autor*innen greifen zurück auf langjährige Erfahrung in der pharmazeutischen Industrie, Beratung und Behörde.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

GMP Compliance Adviser | Named User Licence | 12M

The GMP Compliance Adviser is an online publication that covers all aspects of Good Manufacturing Practice (GMP) in one source.In the GMP Compliance Adviser you’ll find: GMP in Practice This part contains 21 chapters with GMP expert knowledge to base your decisions upon. It provides practical assistance with checklists, templates and SOP examples. It is written by more than 80 authors with hands-on experience directly linked to the industry. The individual chapters describe the different aspects of GMP in clear language. Technical, organizational and procedural aspects are covered.More than 700 checklists, templates and examples of standard operation procedures taken directly out of practice help you in understanding the GMP requirements.GMP RegulationsThese chapters cover the most important GMP regulations from Europe and the United States (CFR and FDA), but also PIC/S, ICH, WHO and many more.  Sample Documents In addition, the GMP Compliance Adviser contains many sample documents and practical examples that you can use.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.368,00 € netto zzgl. MwSt.
GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung | Personenlizenz | 12M

Ihre Anlaufstelle für GMP-Wissen rund um die Qualifizierung von technischen Systemen und Anlagen. Das GMP:KnowHow Anlagenqualifizierung bietet Ihnen eine effiziente und klar strukturierte Lösung zur Qualifizierung von Pharmaanlagen. Das Wissensportal richtet sich an Mitarbeitende in der Pharmaindustrie, die einen Zugang zu praktischen Anleitungen und Beispieldokumenten brauchen und sich tiefer in die theoretischen Grundlagen der Anlagenqualifizierung einarbeiten wollen.  Das Portal liefert umfassenden Vorlagen und Arbeitshilfen, die sowohl die Erstqualifizierung als auch den gesamten Lebenszyklus einer Anlage abbilden. Alle Dokumente sind praxiserprobt und von Fachexperten erstellt. Die theoretischen Grundlagen zu den einzelnen Themen sind nur kurz angerissen. Für detaillierte Informationen wird auf die ausführlichen Kapitel des GMP-BERATERs verlinkt. Die entsprechenden Kapitel sind für Sie freigeschaltet.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
810,00 € netto zzgl. MwSt.
SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

SOP-Sammlung | Personenlizenz | 12M

Im Online-Portal finden Sie alle SOPs an einem Ort. Immer auf dem neusten Stand dank Abonnement. Neue SOPs und Aktualisierungen werden Ihrer Sammlung automatisch hinzugefügt. Übersichtliche Struktur, intuitive Navigation: Sie finden alles auf Anhieb. Einfach klicken, schon steht Ihre SOP zur Verfügung.Oder Sie benutzen die praktische Volltextsuche. Die SOPs beschreiben GMP-relevante Kernprozesse für ein fiktives Pharmaunternehmen mit Schlüsselpersonen und Verantwortungsbereichen. Dazu gibt es Erklärungen und nützliche Tipps. In einem schlüssigen SOP-Konzept liegt enormes Potential für den reibungslosen Ablauf von GMP-Prozessen! Sie erhalten jede SOP als editierbare Datei, die Sie für Ihre Zwecke anpassen können. Die SOPs berücksichtigen die aktuellen regulatorischen GMP-Anforderungen an die Herstellung von Arzneimitteln und dienen Ihnen so als Vorlage für neu zu erstellende SOPs und zur Optimierung vorhandener SOPs. Mit zahlreichen erklärenden Hinweisen und nützlichen Tipps, die Sie bei der Anpassung der Muster-SOPs an Ihre konkreten Unternehmensabläufe unterstützen. Unsere Redaktion ist für Sie da: Sie erhalten schnell persönliche Antworten.

Lieferzeit ca. 2-5 Werktage nach Zahlungseingang
1.695,00 € netto zzgl. MwSt.